Bewegte Geschichte: Zwischen Tradition und Zukunft

Von den Anfängen der Fliegerei bis zum modernen Triebwerksbau – die MTU kennt alle Entwicklungsphasen der Luftfahrt. Sie hat im Laufe der 100-jährigen Geschichte der motorisierten Luftfahrt maßgeblich die Fortschritte der Luftfahrtantriebe bestimmt.

Die MTU Aero Engines GmbH ist eine Nachfolgerin der 1934 gegründeten BMW Flugmotorenbau GmbH. Keimzelle des Unternehmens waren die Rapp Motorenwerke, die der Flugpionier Otto Rapp 1913 auf dem Oberwiesenfeld in München gegründet hat. 1917 geht daraus BMW hervor und Ende 1934 die BMW Flugmotorenbau GmbH. 1938 zieht das Unternehmen nach München-Allach an den Standort, der bis heute der Hauptsitz der MTU Aero Engines ist.

Mit dem 2. Weltkrieg geht vorläufig auch der Flugmotorenbau in Deutschland zu Ende. Bis Mitte der 50er-Jahre werden im Allacher Flugmotorenwerk Fahrzeuge des US-Heeres repariert. 1954 wird politisch ein Neubeginn der deutschen Flugmotorenproduktion möglich. Nach der BMW Studiengesellschaft für Triebwerkbau GmbH im Jahr 1954 wird 1957 die BMW Triebwerksbau GmbH gegründet. Sie steigt als Lizenznehmer in die Triebwerksproduktion ein und baut ab 1959 das J79-11A von General Electric, den Antrieb des Lockheed-Starfighter F104.

1960 übernimmt die M.A.N. 50% der BMW Triebwerksbau GmbH und fünf Jahre später die restlichen 50%; BMW zieht sich komplett aus der Luftfahrt zurück. Das Unternehmen wird mit der M.A.N. Turbomotoren GmbH verschmolzen und in M.A.N. Turbo GmbH umbenannt. Die neue Gesellschaft erhält Aufträge zur Lizenzfertigung des Rolls-Royce-Triebwerks Tyne, das das Seeaufklärungs- und U-Boot-Bekämpfungsflugzeug Breguet Atlantic sowie das Transportflugzeug C-160 Transall in die Luft bringt.

1969 wird die Motoren- und Turbinen- Union München GmbH, kurz: MTU München, gegründet. Grundlage ist ein Vertrag zwischen der Daimler-Benz AG und der M.A.N. AG, der die Zusammenlegung der Aktivitäten beider Unternehmen in den Bereichen Luftfahrtantriebe und schnelllaufende Dieselmotoren regelt. Neben der MTU München (Flugmotoren) entsteht die MTU Friedrichshafen (Dieselmotoren), die ab 1995 direkt von DaimlerChrysler geführt wird. 1969 beginnt auch die Entwicklung des Tornado-Triebwerks RB199-34R. Dieser Antrieb ist bis heute das erfolgreichste militärische MTU-Triebwerksprogramm.

Neben den Aktivitäten im militärischen Triebwerksbau gewinnt in den 70er-Jahren die Entwicklung ziviler Antriebe an Bedeutung. Die MTU steigt 1971 ins zivile Triebwerksgeschäft ein und schließt mit General Electric einen Kooperationsvertrag über die Fertigung des Airbus A300-Antriebs CF6-50 ab.

1979 führt die steigende Nachfrage nach Repair & Overhaul-Dienstleistungen zur Gründung der MTU Maintenance Hannover in Langenhagen. Damit steigt die MTU in die zivile Instandhaltung ein und schafft einen neuen Unternehmensbereich.

1985 übernimmt die Daimler-Benz AG die MTU zu 100%. Die Zusammenarbeit mit Pratt & Whitney Canada beginnt. 1989 wird die MTU Teil der Deutschen Aerospace AG (DASA), die fast die gesamte deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie unter ihrem Dach vereinigt.

1991 beginnt die MTU mit dem Ausbau ihres Maintenance-Netzwerks und erwirbt die MTU Maintenance Berlin-Brandenburg sowie die Airfoil Services Sdn. Bhd. in Kuala Lumpur, Malaysia. Im gleichen Jahr unterzeichnen die MTU und Pratt & Whitney einen Vertrag über eine strategische Allianz zur Zusammenarbeit im Bereich ziviler Turbotriebwerke, mit dem sich die MTU das Recht zur Beteiligung an den zivilen Triebwerksprogrammen von Pratt & Whitney sichert.

In Ludwigsfelde gründet die MTU Maintenance Berlin-Brandenburg 1992 das Pratt & Whitney Canada Customer Service Centre, ein Joint Venture mit Pratt & Whitney Canada.

Mitte der 90er-Jahre gerät die Weltwirtschaft durch den ersten Irak-Krieg, eine Ölkrise und eine Dollar-Schwäche in Turbulenzen. Das zivile Luftfahrtgeschäft bricht ein und bringt auch die MTU in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Unternehmen handelt schnell und hat 1996 den Weg aus der Krise geschafft.

Im November 1998 baut die MTU mit dem Erwerb der MTU Maintenance Canada das Standortnetz aus. Es folgen die MTU Maintenance do Brasil sowie 1999 die MTU Aero Engine Design und Vericor. 2000 kommen die MTU Maintenance Zhuhai und 2001 die MTU Aero Engine Components dazu.

Im Jahr 2000 geht die DASA in der European Aeronautic Defense and Space Company, kurz: EADS, auf. Die MTU München wird 100-%ige Tochter von DaimlerChrysler und in MTU Aero Engines umbenannt. 2002 wird in Ludwigsfelde ein Entwicklungs- und Konstruktionszentrum eröffnet. Entwicklungsarbeiten erfolgen jetzt an drei Standorten: München, Rocky Hill (USA) und Ludwigsfelde.

2003 bündelt das Unternehmen die Aktivitäten auf dem US-amerikanischen Markt und legt die MTU Aero Engine Design und MTU Aero Engine Components unter dem Dach der MTU Aero Engines North America (AENA) zusammen. Anfang des Jahres wird die MTU mit dem 23. Innovationspreis der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet; prämiert wird der Hochdruckverdichter des PW6000.

2004 wird die MTU Aero Engines von Fonds der weltweit tätigen Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) übernommen. Voran gegangen waren Verhandlungen mit DaimlerChrysler, die sich über den Zeitraum fast eines Jahres erstreckten.

Der erfolgreiche Börsengang der MTU Aero Engines folgt im Juni 2005. Durch den Börsengang wird das Eigenkapital der MTU auf mehr als 500 Mio. € gestärkt. Damit hat die MTU eine gute finanzielle Basis für die Zukunft. Anfang Februar 2006 hat KKR die nach dem Börsengang noch verbliebene Beteiligung von 29% veräußert. Die MTU hat damit ein wichtiges strategisches Ziel erreicht: Die vollständige Eigenständigkeit.

 


Standardantrieb vieler deutscher historischer Flugzeuge:
der BMW VI.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Das EJ200, Antrieb für den Eurofighter, gilt als modernstes
Triebwerk seiner Klasse.

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