![]() Egon Behle Vorsitzender des Vorstands der MTU Aero Engines |
2009 ist für die MTU Aero Engines ein ganz besonderes Jahr: Ihre Firmengründung jährt sich zum 75. Mal. 1934 wurde auf dem heutigen MTU-Areal im Münchner Norden die BMW Flugmotorenbau GmbH gegründet, die Vorgängergesellschaft des Unternehmens. Von Beginn an hat der Triebwerkshersteller die Geschicke der motorisierten Luftfahrt geprägt und vorangetrieben.
Zu jeder Zeit in ihrer bewegten Geschichte hat die MTU, die mehrere Umfirmierungen erlebt hat, zukünftige Antriebe und neue Technologien entwickelt. Aushängeschilder der Ingenieurskunst sind unter anderem der Tornado-Antrieb RB199 sowie das zivile PW2000, das die Boeing-Flugzeuge 757 und C-17 in die Luft bringt. Aktuelle Highlights sind das GP7000 für den Mega-Airbus A380 und das EJ200 des Eurofighters.
Mit der Entwicklung eines jeden Triebwerks hat die MTU Technologien und Komponenten angestoßen und auf den Weg gebracht, die erst in der nächsten Flugzeuggeneration zum Einsatz kamen. Wie schon damals ist die MTU auch heute ihrer Zeit voraus: Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir an den Triebwerken von morgen, die noch leiser, schadstoffund emissionsärmer sein müssen als heutige Modelle. Mit dem Technologieprogramm Clean Air Engine (Claire) haben wir ein Drei-Stufen-Konzept für das Triebwerk der Zukunft entwickelt, das im Jahr 2035 30 % weniger CO2 ausstößt und auch beim Lärm signifikante Fortschritte realisiert. Dreh-und Angelpunkt von Claire ist die neuartige, umweltfreundliche Technologie des Getriebefans. Wir sind hier – wieder einmal – technologischer Schrittmacher, da wir unter anderem die Schlüsseltechnologie schnelllaufende Niederdruckturbine beisteuern. Der Name MTU steht heute also nicht nur für 75 Jahre deutschen Triebwerksbau, sondern auch für 100 Jahre Luftfahrtkompetenz – also die Zukunft unserer Industrie.
Die Weichen für die Zukunft des Unternehmens haben wir gestellt: Im vergangenen Jahr 2008 ist es uns gelungen, uns an einer Reihe neuer und wichtiger Programme zu beteiligen, die über ein Umsatzpotenzial von insgesamt rund 30 Mrd. € verfügen. Damit hat die MTU in einem Jahr so umfangreiche neue Programmvereinbarungen unterzeichnet wie noch nie in ihrer Geschichte.
Im zivilen Triebwerksbereich sind es im Einzelnen 15-prozentige Beteiligungen an der neuen Getriebefan-Familie PW1000G von Pratt & Whitney und dem PW810 sowie rund 6,6 % am GEnx von General Electric. Die neuen Getriebefan-Antriebe werden unter anderem den neuen Mitsubishi Regional Jet in die Luft bringen sowie die Bombardier CSeries. Das Triebwerksprogramm läuft planmäßig und erfolgreich: Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde die Flugerprobung gestartet und Tests an einer Boeing 747 sowie einem Airbus A340 durchgeführt. Von der MTU stammen die Niederdruckturbinen sowie jeweils die vier ersten Stufen der Hochdruckverdichter. Die gleichen Komponenten steuern wir zum Triebwerksprogramm PW810 bei. Dieser neue Pratt & Whitney-Antrieb ist für schwere Geschäftsreiseflugzeuge konzipiert. Eines der wichtigsten Triebwerke im Segment des oberen Schubbereichs wird das GEnx von GE sein, das den neuen Boeing Dreamliner 787 sowie die Boeing 747-8 antreiben wird. Auch an diesem Antrieb für das wichtige Segment der Großraumflugzeuge arbeiten wir mit: Wir fertigen das Turbinenzwischengehäuse, für das wir auch Entwicklungsarbeiten leisten.
Erfolgreich waren wir auch im militärischen Bereich und haben uns einen Programmanteil von 18 % am GE38 für Schwerlast-Hubschrauber gesichert. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir hier als Risk-and Revenue-Sharing-Partner erstmals Entwicklungsverantwortung bei einem US-amerikanischen Triebwerksprogramm übernehmen: Wir entwickeln und bauen die Nutzturbine.
In der zivilen Instandhaltung ist die MTU ebenfalls gut positioniert: Im Jahr 2008 haben wir eine Reihe von Neukunden gewonnen und uns zusätzliche Instandhaltungsaufträge im Wert von rund einer Milliarde Euro gesichert. Sie beziehen sich vor allem auf folgende Antriebe: den C-17-Antrieb PW2000, das V2500, das in der Airbus A320-Familie eingesetzt wird, und das CF6 für Großraumflugzeuge wie den A330 oder die Boeing 747.
Langfristig angelegte Triebwerksprogramme haben für ein Unternehmen mehrere Vorteile: Sie schaffen eine solide Basis für die Zukunft und machen die MTU zudem vergleichsweise unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Das hat sich 2008 bewährt: Trotz schwächelnder Konjunktur konnte die MTU Umsatz und Gewinn steigern. Der Umsatz kletterte um 5,8 % auf 2,7 Mrd €; bereinigt um die Dollarschwankungen lag das Wachstum bei 12,2 %. Der operative Gewinn (das bereinigte EBITDA) stieg im gleichen Zeitraum um 3,3% auf 405,7 Mio €. Damit haben wir die zu Jahresbeginn veröffentlichte Prognose trotz negativer Wechselkurseffekte und nachlassenden Wirtschaftswachstums klar übertroffen; die EBITDA-Marge lag mit 14,9 % am oberen Ende unseres Zielkorridors von 14 bis 15 %. An dieser positiven Entwicklung partizipieren Sie, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, in Form einer attraktiven Dividende. Unser Vorschlag beläuft sich wie im Vorjahr auf 0,93 € pro Aktie.
Rückblickend sind wir mit den erzielten Erfolgen im Jahr 2008 sehr zufrieden. Die Kapitalmärkte honorieren unsere positive Geschäftsentwicklung derzeit allerdings nicht; vielmehr bestimmen die Finanzkrise und die weltweite Rezession die Situation an den Börsen. Diesem Klima kann sich natürlich auch die MTU-Aktie nicht entziehen. Mögliche Auswirkungen eines Wachstumsstopps stellen alle Unternehmen im laufenden Jahr vor große Herausforderungen. Hinzu kommen speziell in unserer Branche volatile Wechselkursverhältnisse sowie der stark schwankende Ölpreis.
Die MTU hat aber vorgesorgt und bereits 2008 ein neues Effizienzsteigerungsprogramm unter dem Namen „Challenge 2010“ aufgelegt. Schwerpunkte sind Kostenoptimierung beim Produktdesign, Optimierung von Prozessen sowie Einsparungen beim Einkauf. Einen Abbau von Arbeitsplätzen sieht „Challenge 2010“ nicht vor. Die Ziele sind ehrgeizig: Bereits 2010 wollen wir Einsparungen von 25 bis 30 Mio. € realisieren; ab 2011 sollen es jährlich 50 Mio. € sein. Mit diesem Programm wollen wir den notwendigen Spielraum schaffen, um den Technologievorsprung des Unternehmens weiter zu vergrößern und unsere Marktposition damit weiter zu verbessern.
Die Mittel stehen bereit: Als Innovationsführer im globalen Luftfahrtmarkt investieren wir jährlich rund 7 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Diese Zukunftsinvestitionen sollen die Basis für den langfristigen Erfolg unseres Unternehmens bilden. Unsere Entwicklungsabteilungen arbeiten intensiv an Programmen für eine neue Generation von Triebwerken. So wird der Getriebefan bereits ab 2013 zum Einsatz kommen; beim gegenläufigen Getriebefan gehen wir von einem Serienbetrieb ab 2025 aus. Beides zeigt, wie gut die MTU heute für die kommende Dekade aufgestellt ist.
Das ist nicht zuletzt auf das Wissen und die Leistungen unserer weltweit 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückzuführen. An dieser Stelle möchte ich mich daher bei jedem Einzelnen für seinen Einsatz und die geleistete Arbeit bedanken. Mein ausdrücklicher Dank gilt zugleich unseren Kunden für ihre Treue und ihr Vertrauen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, danke ich dafür, dass Sie der MTU trotz der ungünstigeren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Treue gehalten haben.
Unsere Zukunftsorientierung stimmt mich optimistisch, dass sich die MTU auch in einem schwierigen Umfeld 2009 gut entwickeln wird. Ich bin sicher: Der nächste globale Aufschwung kommt und die MTU wird überdurchschnittlich partizipieren. Marktforscher erwarten übereinstimmend, dass der weltweite Luftverkehr in einem solchen Umfeld wieder stark wächst – und davon wird die MTU mit ihrer einzigartigen Luftfahrtkompetenz profitieren.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, mit Ihrem Investment in die MTU und Ihrem anhaltenden Vertrauen haben Sie die Voraussetzungen für eine nachhaltig positive Entwicklung geschaffen. Dafür möchte ich Ihnen im Namen des gesamten Unternehmens und Vorstands danken und Ihnen versichern, dass wir alles tun werden, dass die MTU bleibt, was sie ist – Deutschlands führender Triebwerkshersteller und eine feste Größe weltweit.
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