Konzernlagebericht

Das Unternehmen MTU

Die MTU ist Deutschlands führender Triebwerkshersteller und der größte unabhängige zivile Instandhaltungsdienstleister der Welt. Die langfristige Wachstumsstrategie sowie eine intensive Forschung und Entwicklung führten 2008 zu einer Stärkung dieser Position.

Geschäftstätigkeit und Märkte

Die MTU Aero Engines Holding AG ist mit ihren Konzernunternehmen (im Folgenden „MTU“, „Konzern“, „Unternehmen“ oder „Gesellschaft“ genannt) Deutschlands führender Triebwerkshersteller und einer der Großen der Welt. Zivile und militärische Flugzeugantriebe werden von ihr über den gesamten Lebenszyklus hinweg betreut: Die MTU entwickelt, fertigt und vertreibt Triebwerke und hält sie instand.

Technologisch führend ist das Unternehmen bei Niederdruckturbinen, Hochdruckverdichtern sowie Reparatur- und Herstellverfahren. National und international arbeitet die MTU maßgeblich an allen wichtigen Technologieprogrammen mit und kooperiert mit den Größten der Branche – General Electric, Pratt & Whitney und Rolls-Royce.

In der Instandhaltung ziviler Luftfahrtantriebe ist das Unternehmen gemessen am Umsatz weltweit der größte unabhängige Anbieter. Im militärischen Bereich ist die MTU seit Jahrzehnten nationaler Marktführer und Systempartner der Bundeswehr.

Die MTU ist in zwei Segmenten tätig: im OEM-Geschäft (Original Equipment Manufacturing) und im MRO-Geschäft (Maintenance, Repair and Overhaul).

OEM-Geschäft

Das OEM-Geschäft umfasst das zivile Neugeschäft und die zivilen Ersatzteile sowie das komplette militärische Geschäft (Neugeschäft, Ersatzteile und Instandhaltung).

An den wesentlichen zivilen Triebwerksprogrammen ist die MTU als Risk- and Revenue-Sharing-Partner beteiligt, das heißt, sie übernimmt für ihre Komponenten und Module die volle Verantwortung – auch finanziell. Am Erlös wird sie gemäß ihren Programmanteilen prozentual beteiligt.

Im zivilen Geschäft ist die MTU mit ihren Produkten in allen Schub- und Leistungsklassen sowie in den wesentlichen Komponenten und Subsystemen vertreten. Sie entwickelt und fertigt Module sowie Komponenten und verantwortet Triebwerksendmontagen. Bei Modulen liegt der Arbeitsschwerpunkt auf Niederdruckturbinen und Hochdruckverdichtern.Darüber hinaus entwickelt und fertigt die MTU Industriegasturbinen (IGT). Die wichtigsten zivilen Triebwerksprogramme sind neben den schon lange laufenden Antrieben CF-6 und PW2000 das GP7000 für den Airbus A380, das V2500, das die Airbus A320-Familie antreibt, sowie die Businessjet-Antriebe PW300 und PW500. Neu hinzugekommen ist die Programmbeteiligung am GEnx für die Boeing 787 und 747-8.

Im Militärischen Triebwerksgeschäft stellt die MTU Basistechnologien bereit, entwickelt und produziert Module und Komponenten, fertigt Ersatzteile, verantwortet Triebwerksendmontagen und hält instand. Darüber hinaus leistet sie technisch-logistische Betreuung für ihre Produkte und schult Soldaten und zivile Mitarbeiter der Streitkräfte. Kunden im militärischen Bereich sind die Luftstreitkräfte verschiedener Nationen. Als Systempartner der Bundeswehr betreut die MTU fast alle Luftfahrtantriebe der deutschen Streitkräfte. Auf europäischer Ebene ist sie der nationale Partner in allen wichtigen militärischen Programmen. Beispiele sind der Eurofighter-Antrieb EJ200, das TP400-D6 des Militärtransporters A400M und das MTR390 sowie die leistungsstärkere MTR390 Enhanced-Version, die den Kampfhubschrauber Tiger antreiben. Im US-Militärmarkt, dem größten der Welt, ist die MTU als Risk- and Revenue-Sharing-Partner an den amerikanischen Triebwerksprogrammen F414, F404 und dem Hubschrauberantrieb GE38 beteiligt.

MRO-Geschäft

Das MRO-Geschäft umfasst die zivilen Instandhaltungsaktivitäten der MTU; sie sind gebündelt unter dem Dach der MTU Maintenance. Die MTU Maintenance-Gruppe hat Standorte in allen wichtigen Märkten und ist weltweit der größte unabhängige Anbieter ziviler Instandhaltungsdienstleistungen. Sie bietet umfangreiche Serviceleistungen und Komplettlösungen an, repariert und überholt Triebwerke und Industriegasturbinen. Die Hauptprogramme sind das V2500 für die Airbus A320-Familie, das CF6, das in Großraumflugzeugen wie dem A330 oder der Boeing 747 zum Einsatz kommt, der Business- und Regionaljet-Antrieb CF34 und die Gasturbinen der LM-Baureihe. Kunden sind Fluglinien sowie Betreiber stationärer Gasturbinen auf der ganzen Welt.

Organisation und Standorte

Die MTU Aero Engines Holding AG ist die Obergesellschaft des MTU-Konzerns; sie nimmt im Wesentlichen Funktionen einer Holdinggesellschaft wahr. Die Gesellschaft hält 100 % der Geschäftsanteile an der MTU Aero Engines GmbH. Die MTU Aero Engines GmbH ist mit Anteilen an in- und ausländischen Tochtergesellschaften beteiligt. Die Beteiligungsverhältnisse sind in der Übersicht über die Konzernstruktur dargestellt.


In der MTU Aero Engines GmbH und in ihren unmittelbaren und mittelbaren Tochtergesellschaften ist das operative Geschäft des MTU-Konzerns gebündelt.

Die MTU Aero Engines Holding AG ist mit ihren Tochtergesellschaften weltweit in allen wichtigen Märkten und Regionen vertreten.

Hauptsitz des Unternehmens und größter Standort ist München. Von hier aus werden das globale Netz der Töchter, die Instandhaltung sowie die Forschung und Entwicklung gesteuert. Zudem werden hier zivile und militärische Triebwerkskomponenten und -module entwickelt, gefertigt, montiert, getestet und vermarktet, neue Fertigungs- und Reparaturverfahren entwickelt und militärische Triebwerke montiert und instand gehalten.

Der größte Betrieb im MTU Maintenance-Verbund ist die MTU Maintenance Hannover mit Sitz in Langenhagen. Sie betreut mittlere und große zivile Triebwerke, bietet Serviceleistungen wie Kundenschulungen und einen 24-Stunden-Service an.

Kleintriebwerke und Industriegasturbinen betreut die MTU Maintenance Berlin-Brandenburg. Das Unternehmen in Ludwigsfelde bei Berlin montiert und testet auch die Serientriebwerke des TP400-D6 für den Militärtransporter A400M.

Im wachstumsstarken asiatischen Markt hat sich die MTU in zwei Ländern mit gleichberechtigten Partnern in Joint Ventures zusammengeschlossen, um die Marktposition zu verbessern: Die MTU Maintenance Zhuhai ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit China Southern Airlines, der größten Fluglinie des Landes. Sie ist mit 50 % quotal im Konzernabschluss konsolidiert. Das Unternehmen ist auf die Instandhaltung von V2500- und CFM56-Triebwerken spezialisiert. Die Airfoil Services Sdn. Bhd. (ASSB) in Malaysia ist ein 50 : 50-Joint Venture mit der Lufthansa Technik und repariert Niederdruckturbinen- und Hochdruckverdichterschaufeln.

In Nordamerika, dem größten Triebwerksmarkt der Welt, ist die MTU mit drei Tochtergesellschaften vertreten: Die MTU Aero Engines North America (AENA) hat ihren Sitz in Newington bei East Hartford, Connecticut. Sie entwickelt und fertigt Komponenten und Bauteile für Flugtriebwerke und Industriegasturbinen. Im kanadischen Richmond bei Vancouver ist die MTU Maintenance Canada angesiedelt. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Instandhaltung von Anbaugeräten sowie der Triebwerkstypen CF6-50 und CFM56. Von Atlanta, Georgia, aus vermarktet, vertreibt und betreut die dritte amerikanische MTU-Tochter, Vericor Power Systems, Marine- und Industriegasturbinen.

Im Mai 2007 wurde die MTU Aero Engines Polska gegründet. Am neuen Auslandsstandort in Rzeszów im Südosten Polens werden ab Mitte 2009 Triebwerksteile entwickelt, gefertigt und repariert.

Die MTU Aero Engines Finance B.V. erfüllt innerhalb der MTU-Gruppe die Rolle einer Finanzierungsgesellschaft. Über die MTU Aero Engines Finance B.V. hat die MTU Aero Engines Holding AG im Januar 2007 ihre Wandelanleihe über 180,0 Mio. € begeben.

Die MTU ist Partner in mehreren Managementgesellschaften für Triebwerksprogramme. Im zivilen Bereich zählen dazu das Konsortium International Aero Engines AG (IAE) für das V2500-Triebwerk und im militärischen Geschäft die Turbo-Union Ltd. für den Tornado-Antrieb RB199, die Eurojet Turbo GmbH für den Eurofighter-Antrieb EJ200, die MTU Turbomeca Rolls-Royce GmbH für das MTR390 bzw. die MTU Turbomeca Rolls-Royce ITP GmbH für das MTR390 Enhanced und die Europrop International GmbH (EPI) für das TP400-D6 des Militärtransporters A400M.

Unternehmensstrategie und -steuerung

Strategie

Die Ziele der MTU sind konsequent darauf ausgerichtet, die strategische Position des Unternehmens zu stärken und durch gezieltes und profitables Wachstum weiter auszubauen. Die MTU ist einer der weltweit führenden Triebwerkshersteller sowie der größte unabhängige Anbieter ziviler Instandhaltungsdienstleistungen. Angestrebt werden die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die konsequente Realisierung der Wachstumsziele.


Die MTU verfolgt in allen Geschäftsfeldern eine langfristige Wachstumsstrategie. Durch eine konsequente Ausrichtung auf zukunftsfähige Beteiligungen an erfolgversprechenden Triebwerksprogrammen im OEM- und MRO-Geschäft werden die angepeilten Umsatz- und Ergebnisziele erreicht.

Alle Geschäftsfelder der MTU sind auf Marktwachstum ausgerichtet, das durch die aktuelle Weltwirtschaftskrise zwar verzögert, aber nicht nachhaltig geschwächt wird. Die MTU ist gut vorbereitet und hat mit einem hohen Anteil am Service- bzw. MRO-Geschäft mit zukunftsfähigem Programmportfolio, stabilen und langfristigen Kundenbeziehungen, motivierten Mitarbeitern und einer globalen Aufstellung in Wachstumsmärkten die Grundlage für nachhaltiges Wachstum geschaffen.

Ausbau der Technologieführerschaft

Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels und steigender Kerosinpreise stehen bei der Entwicklung zukünftiger Antriebsgenerationen Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit mehr denn je im Vordergrund. Die MTU arbeitet in enger Kooperation mit Partnern aus Industrie und Forschung an der Entwicklung und Umsetzung innovativer, umweltfreundlicher Antriebe; Beispiele sind der Getriebefan und das Triebwerkskonzept Claire. Auch im Bereich der Triebwerksinstandhaltung baut die MTU ihre technologische Führungsrolle mit der Entwicklung innovativer, kosteneffizienter Reparaturverfahren weiter aus.

Einstieg in die am schnellsten wachsenden neuen Triebwerksprogramme

Um langfristig die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, ist die Beteiligung an volumen- und wachstumsstarken Programmen entscheidend. Die langen Lebenszyklen im Triebwerksgeschäft erfordern eine frühe Beteiligung bei erfolgreichen Flugzeug- und Triebwerksprogrammen.

Hauptziele im Zivilen Triebwerksgeschäft sind die Beteiligung an den neuen Antrieben für die Nachfolgemodelle der A320 und B737 sowie an geplanten Langstreckenflugzeugen. Der Einstieg in das Programm GEnx ist hierfür ein Beispiel. Eine gute Marktposition hat sich die MTU im Segment großer Geschäftsreise- und Regionalflugzeuge (MRJ) sowie im unteren Bereich der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge (z. B. CSeries von Bombardier) gesichert. Die MTU hat sich dazu entsprechend bei den OEMs positioniert und Investitionsmittel eingeplant.

Im militärischen Bereich baut die MTU neben weiteren Exportgeschäften für existierende Programme ihre Beteiligungen an US-Programmen weiter aus. Mit der Beteiligung am Antrieb GE38 für künftige Schwerlasthubschrauber hat sie den Durchbruch auf dem US-Militärmarkt geschafft. Die Militärstrategie zielt darauf ab, die wenigen Zukunftsprogramme zu gewinnen und die Marktanteile im stagnierenden Militärmarkt durch zusätzliche, innovative Produkte zu erhöhen.

Die zivile Instandhaltung konzentriert sich auf die Steigerung der Marktanteile der bestehenden, erfolgreichen Programme V2500, PW2000, CF6, CF34 sowie die Beteiligung an weiteren attraktiven Wachstumsprogrammen im Segment der Großraumflugzeuge. Für IGTs wurden neue Betreuungskonzepte entwickelt, die zur Marktreife geführt werden.

Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit

Mit den im Jahr 2006 eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits erhebliche Kosteneinsparungen erzielt werden. Mit dem neu aufgelegten Programm „Challenge 2010“ will die MTU ab 2011 zusätzlich 50 Mio. € Kosten einsparen. Konsequent treibt sie den Aufbau des neuen Standortes in Polen sowie die Einführung lokaler Kompetenzzentren für Triebwerksreparaturen voran. Darüber hinaus werden in allen Bereichen weitere Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und Fertigungsoptimierung ergriffen.

Stärkung des Kerngeschäfts durch Zutritt in verwandte Geschäftsfelder

Die MTU wird kerngeschäftsnahe Möglichkeiten prüfen, um ihre Ziele zu erreichen sowie die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern. Sofern profitable Wachs tumsfelder identifiziert sind, wird die MTU in Produkte und Dienstleistungen investieren.

Prüfung von Akquisitionschancen

Kontinuierlich prüft die MTU attraktive Akquisitionschancen, um die Wachstumsziele zu unterstützen. Ergänzungen im Unternehmensportfolio dienen der Stärkung der Triebwerksentwicklung und -herstellung, der Sicherung notwendiger Technologien sowie der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich strebt die MTU den Zugang zu spezifischen Märkten an, um auch zukünftige Wachstumsfelder für sich zu erschließen. Kooperationen mit Airlines dienen dazu, sich auch im Instandhaltungsmarkt weitere profitable Wachstumsmöglichkeiten zu sichern.

Konzerninternes Steuerungssystem

Die werttreibenden Steuerungsgrößen Kapitalrendite, Free Cashflow und Umsatz/EBITDA definieren das Spannungsfeld von Wachstum, Rentabilität und Liquidität, in dem sich die MTU befindet. Die Sicherung der Einhaltung dieses integrierten Steuerungssystems erfolgt im Wesentlichen durch die folgenden Komponenten:

  • regelmäßige Vorstandssitzungen im Zwei-Wochen-Rhythmus
  • Liquiditätsentwicklung
  • Monatsberichte der Geschäftssegmente
  • Kommissionen für Investitionen, Akquisitionen und Personal sowie gruppenweite Ausschüsse zu Qualität, Gesundheit und Umweltschutz
  • Risiko- und Chancenmanagement

Wachstum – Umsatz und EBITDA

Die Steigerung des Umsatzes ist die Ausgangsbasis nahezu jeder unternehmerischen Erfolgsrechnung und zielt auf substanzielles Wachstum.

Eine weitere wichtige Erfolgsgröße ist das operative Ergebnis EBITDA bereinigt. Mit dem EBITDA-Wachstum misst der Konzern die kurzfristige operative Leistungskraft und den Erfolg der einzelnen Geschäftssegmente. Daneben verwendet der Konzern die Kennzahl EBITDA-Marge, die das EBITDA im Verhältnis zum Umsatz darstellt. Diese relative Größe lässt einen Vergleich der Ertragskraft ergebnisorientierter Bereiche unterschiedlicher Größen zu.


Rentabilität – Kapitalrendite

Ziel der MTU ist es, die aus dem Kapitalmarkt abgeleiteten Renditevorgaben der Eigenkapitalgeber zu übertreffen (Shareholder Return). Maßstab für den Verzinsungsanspruch ist der Kapitalkostensatz; dieser wird als gewichteter Durchschnittskostensatz aus Eigen- und Fremdkapitalkosten ermittelt (Weighted Average Cost of Capital = WACC). Die Eigenkapitalkosten werden nach dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) mit dem risikolosen Zinssatz, einer Risikoprämie für das Marktrisiko und dem Beta-Faktor aus einer PeerGroup-Analyse berechnet. Die Grundlage zur Bestimmung der Fremdkapitalkosten bildet der gewichtete Fremdkapitalkostensatz. Dabei wird die Abzugsfähigkeit der Kapitalkosten berücksichtigt. Von jeder Investition wird eine Verzinsung mindestens in Höhe des WACC gefordert. Das Geschäftsportfolio wird durch die Konzentration auf Investitionen optimiert, in denen mittelfristig die höchsten Renditen zu erwarten sind.

Der Konzern nutzt die Renditevorgaben zum einen als zentrale wertorientierte Steuerungsgröße zur Messung der absoluten Wertbeiträge der operativen Geschäftssegmente und der einzelnen Triebwerksprogramme. Zum anderen sind sie wesentlicher Maßstab für die Ausrichtung aller operativen Maßnahmen auf die Steigerung des Unternehmenswerts. Ziel ist die Schaffung eines Mehrwerts. Das bedeutet, dass der Konzern dauerhaft mindestens die Verzinsung der Kapitalkosten verdient.

Zur Überprüfung der Zielsetzung nutzt die MTU die Kennzahlen Return on Capital Employed (ROCE) und das bereinigte Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT bereinigt). Der Zielverfolgung nach dem ROCE und dem relativen Wertbeitrag – der Differenz zwischen ROCE und den Kapitalkosten – liegt die Annahme zugrunde, dass der Unternehmenswert steigt, wenn ein nachhaltig positiver Wertbeitrag erzielt wird. Der ROCE ist eine Gesamtkapitalrendite vor Steuern. Er misst die Ertragskraft des durchschnittlich investierten Kapitals (Capital Employed) in Form einer relativen Größe und ergibt sich aus der Relation des durchschnittlich bereinigten EBIT zum durchschnittlichen, um Effekte aus der Kaufpreisallokation bereinigten, betrieblichen Vermögen.


Im Berichtsjahr reduzierte sich der ROCE auf 37,6 % (Vorjahr: 38,9 %). Dies resultiert aus der Verbesserung des bereinigten EBIT um 18,4 Mio. € bei gleichzeitigem Anstieg des gebundenen Vermögens (Capital Employed) durch die Beteiligung an den Entwicklungsaufwendungen für den Hubschrauberantrieb GE38 und durch den Erwerb der Beteiligung am Triebwerksprogramm GEnx in Höhe von insgesamt 174,1 Mio. € (Vorjahr: 0,0 Mio. €). Damit liegt der erwirtschaftete ROCE um 24,1 Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Kapitalkostensatz (WACC) von 13,5 % (Vorjahr: 13,8 %).

Die MTU erzielt als Ergebnis einen Beitrag zum Unternehmenswert in Höhe von 212,1 Mio. € (Vorjahr: 201,5 Mio. €) beziehungsweise 24,1% (Vorjahr: 25,1 %). Die Ableitung der Kapitalkosten ist in der Position 40. im Konzernanhang erläutert.

Liquidität – Free Cashflow

Mit der Optimierung des Free Cashflow wird sichergestellt, dass auch in Zukunft die finanzielle Substanz des Konzerns erhalten bleibt. Der Free Cashflow setzt sich aus betrieblichen Faktoren (operatives Ergebnis, Veränderung des operativen kurzfristigen Betriebskapitals und Investitionen) sowie nichtbetrieblichen Faktoren (Finanzaufwendungen, Ergebnisanteilen aus Gemeinschaftsunternehmen und Steuern) zusammen.


Durch Steigerung des Konzernumsatzes und des operativen Ergebnisses optimiert der Konzern den Free Cashflow. Zudem erfolgt ein straffes Management des operativen kurzfristigen Betriebskapitals (WoC), da die Geschäfte der MTU anlagen- und vorratsintensiv sind. Zentrale Kennzahl für den Konzern ist das Working Capital, das sich definiert als Saldo aus Vorräten, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Forderungen aus der Auftragsfertigung einerseits und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie erhaltenen Anzahlungen andererseits. Anhand der Entwicklung dieser Kennzahl können Fortschritte hinsichtlich der Kapitalbindungswirkungen im Geschäftszyklus effektiv verfolgt werden. Um diese Grundsätze in der Konzernstruktur zu verankern, hat die Konzernführung dem Management der Geschäftssegmente die unmittelbare Verantwortung für die operativen Ergebnisse, die Optimierung des operativen kurzfristigen Betriebskapitals und die Investitionen übertragen.

Damit sich das Management der Geschäftssegmente voll und ganz auf dauerhafte Verbesserungen der operativen Geschäfte ausrichtet, hat die Konzernführung die variable Vergütung der Führungskräfte an die Entwicklung des operativen Ergebnisses und des Free Cashflow gekoppelt.

Nichtfinanzielle Ziele und nachhaltige Performance-Kennzahlen (SD-KPI´s)

Neben den finanziellen Zielen gibt es wesentliche nichtfinanzielle Ziele, die für den Erfolg der MTU wichtig sind:

  • Kundenzufriedenheit
  • Qualität
  • motivierte und qualifizierte Mitarbeiter
  • operative Performance
  • Vertrauen
  • Flugsicherheit
  • Arbeits- und Umweltschutz

Die MTU hat einen Verhaltenskodex schriftlich fixiert, der unter anderem die Grundprinzipien des Umgangs mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern klar definiert. Weitere Informationen zu den nichtfinanziellen Leistungsindikatoren sind im Personalbericht der MTU zu finden.

Forschung und Entwicklung

Rahmenbedingungen und Ziele

Stetig wachsende Mobilitätsansprüche von Milliarden Menschen, limitierte Rohstoffe und die sich verschärfende Umweltproblematik erfordern innovative Lösungen. Die MTU hat sich mit ihren Kernkompetenzen Niederdruckturbine, Hochdruckverdichter, Regler-Monitoring-Diagnose sowie Hightech-Fertigung und -Instandhaltung eine technologische Spitzenposition erarbeitet, die die Basis für Weiterentwicklungen bestehender Triebwerkskonzepte sowie für neue Triebwerkskonzepte wie z. B. den Getriebefan bildet.

Die langfristigen Ziele der MTU hinsichtlich der Entwicklung neuer Triebwerke für den zivilen Luftverkehr folgen der Selbstverpflichtung der europäischen Luftfahrtindustrie auf die ACARE 2020 Vorgaben (Advisory Council for Aeronautical Research in Europe). Sie sehen für den Luftverkehr eine Lärmreduktion um die Hälfte, eine NO-Reduktion um 80 % und eine Reduktion der CO2-Emissionen um 50 % vor. Die Triebwerke müssen dazu den wesentlichen Beitrag leisten. Die MTU hat das Technologieprogramm Claire (Clean Air Engine) gestartet, das in drei Schritten bis zum Jahr 2035 unter anderem eine CO2-Reduktion von bis zu 30 % anstrebt (siehe Kapitel Umweltschutz).

Die Anforderungen an zukünftige Antriebe für militärische Anwendungen werden wesentlich durch die Besonderheiten von Antrieben für unbemannte Flugzeuge (UAV, Unmanned Aerial Vehicle) bestimmt. Große Reichweiten bei gleichzeitig hohem Schubbedarf und niedrigem Brennstoffverbrauch in Bodennähe erfordern innovative Lösungen.

Die MTU ist maßgeblich an nationalen und europäischen Studien (z. B. ETAP European Technology Acquisition Programme) beteiligt. Daneben stehen weiterhin die Reduktion der „cost of ownership“ und die Verbesserung der Agilität im Fokus, z. B. durch Schubvektorsteuerung.

Ziel der Entwicklungsaktivitäten ist es, den Mehrwert der Produkte und Dienstleistungen für den Kunden weiter zu steigern. Die MTU hat den Anspruch, technologisch führende Produkte zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten und sich deutlich vom Wettbewerb abzuheben. Durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung konnte die MTU im Berichtsjahr die Leistungsfähigkeit und Qualität ihrer Produkte erneut steigern.

Investitionen und F&E-Quote

Die Forschungs- und Entwicklungskosten beliefen sich im Berichtszeitraum auf insgesamt 181,6 Mio. € und lagen damit über dem Niveau des Vorjahres (Geschäftsjahr 2007: 176,4 Mio. €). Die Forschungs- und Entwicklungsquote, gemessen als das Verhältnis von Forschungs- und Entwicklungsaufwand zum Umsatz, liegt mit 6,7 % auf dem Niveau des Vorjahres. Die folgende Tabelle zeigt die Forschungs- und Entwicklungskosten vor Aktivierung von Entwicklungsinvestitionen sowie die Entwicklung der Forschungs- und Entwicklungsquote.


Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und Aktivierungsquote

Die Investitionen werden in eigenfinanzierte und fremdfinanzierte Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen unterteilt. Eigenfinanzierte Aufwendungen werden vom Konzern selbst finanziert und auf ihre Aktivierbarkeit als selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte untersucht. Neben den allgemeinen Voraussetzungen für die Aktivierung und erstmalige Bewertung müssen für den Ansatz die technische und kommerzielle Realisierbarkeit nachgewiesen werden und die zurechenbaren Ausgaben verlässlich bewertbar sein. Es muss wahrscheinlich sein, dass der immaterielle Vermögenswert zu wirtschaftlichem Nutzen führt, eindeutig identifizierbar ist und einem spezifischen Triebwerksprogramm oder Produkt zugeordnet werden kann. Entwicklungsinvestitionen, die die Voraussetzungen für eine Aktivierung erfüllen, werden über die voraussichtlich produzierte Anzahl von Einheiten abgeschrieben. Wenn die produzierte Anzahl von Einheiten nicht verlässlich geschätzt werden kann, werden die aktivierten Entwicklungskosten über die voraussichtliche Nutzungsdauer des selbst erstellten immateriellen Vermögenswerts abgeschrieben. Die Abschreibungen werden dabei in den Umsatzkosten erfasst. Die eigenfinanzierten Aufwendungen werden in der Konzern-Gewinn-und-Verlustrechnung unter Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sowie unter Abschnitt 8. im Konzernanhang ausgewiesen. Alle Kosten, die der Forschungsphase eines Triebwerksprojekts zuzuordnen sind, werden aufwandswirksam erfasst.

Die eigenfinanzierten Aufwendungen beliefen sich auf 101,1 Mio. € und die fremdfinanzierten Aufwendungen auf 80,5 Mio. €. Der Anstieg der eigenfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen betrifft überwiegend das Zivile und Militärische Triebwerksgeschäft und ist auf die erhöhten Investitionen für die neuen Triebwerksprogramme GE38, PW810, PW1217G und PW1524G zurückzuführen. Insgesamt wurden 6,2 Mio. € (6,1 % der eigenfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen) als Entwicklungsinvestitionen aktiviert.

Die fremdfinanzierten Entwicklungsaufwendungen betreffen das Militärische Triebwerksgeschäft und werden aufgrund der kundenspezifischen Beauftragung durch nationale und internationale Konsortien als Auftragsfertigung unter der Position Forderungen aus Auftragsfertigung gemäß IAS 11 ausgewiesen.

Die nachstehende Tabelle zeigt die eigenfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und die davon in Abzug gebrachten aktivierten Entwicklungsinvestitionen für den Konzern und die Geschäftssegmente sowie die daraus resultierende Aktivierungsquote der Vermögenswerte aus dem Bereich Forschung und Entwicklung.


Die aktivierungspflichtigen Entwicklungswerte im Zivilen und Militärischen Triebwerksgeschäft (OEM) in Höhe von 2,8 Mio. € (Vorjahr: 0,0 Mio. €) betreffen eigenfinanzierte Entwicklungsaufwendungen für das Triebwerksprogramm GE38 nach dem Erwerb der Beteiligung an diesem Triebwerksprogramm (vergleiche hierzu auch die nachfolgenden Erläuterungen unter „Aktivierte Entwicklungsleistungen“). Weiterhin hat die zivile Triebwerksinstandhaltung (MRO) spezielle Reparaturverfahren für die wirtschaftlichere Instandsetzung von Triebwerken entwickelt, so dass insgesamt 3,4 Mio. € (Vorjahr: 4,3 Mio. €) aktiviert wurden.

Aktivierte Entwicklungsinvestitionen

Mit der Beteiligung am Triebwerksprogramm GEnx (General Electric next generation) und der Beteiligung an den Entwicklungsaufwendungen wurden neben den aktivierungspflichtigen Entwicklungswerten in Höhe von insgesamt 6,2 Mio. € die folgenden Entwicklungsleistungen entgeltlich erworben und aktiviert:

GEnx-Triebwerksprogramm

Mit dem Kooperationsvertrag vom 19. Dezember 2008 zwischen der General Electric Company und der MTU Aero Engines GmbH ist es der MTU gelungen, sich mit einem Programmanteil von 6,65 % am strategisch wichtigen Zukunftsprogramm GEnx (General Electric next generation) zu beteiligen. Das Triebwerk treibt den Boeing 787 Dreamliner und das Langstreckenflugzeug Boeing 747-8 sowie die 747-8-Frachtversion an. Die MTU fertigt das Turbinenzwischengehäuse und übernimmt hierfür auch Entwicklungsverantwortung. Mit der Auslieferung der ersten Triebwerkskomponenten wird Ende 2009 gerechnet. Investitionen in dieses neue Triebwerksprogramm wurden in Höhe von 126,1 Mio. € in der Position Programmwerte aktiviert.

GE38-Triebwerksprogramm

Mit der Beteiligung am Hubschrauberantrieb GE38 von General Electric in Höhe von 18% hat die MTU erstmals die volle Entwicklungsverantwortung an einem Modul eines militärischen US-amerikanischen Triebwerksprogramms übernommen. Erste Anwendung ist der Schwerlasthubschrauber CH-53K von Sikorsky. Die MTU steuert die Nutzturbine bei und verantwortet außerdem Instandhaltung, Endmontage und Testing der GE38-Modelle für den zukünftigen europäischen Schwerlasthubschrauber HTH. Der Erstlauf dieses 5.595 kW starken Antriebes ist für Mitte 2009 geplant. Für dieses Programm wurden erstmals Entwicklungsinvestitionen des Militärischen Triebwerksgeschäfts in Höhe von 45,2 Mio. € aktiviert. Neben den entgeltlich erworbenen Entwicklungsleistungen wurden im Rahmen des GE38-Triebwerk-Programms weitere eigenfinanzierte Aufwendungen in Höhe von 2,8 Mio. € (Vorjahr: 0,0 Mio. €) aktiviert. Somit wurden im Geschäftsjahr 2008 aus der Beteiligung am Hubschrauberantrieb GE38 insgesamt 48,0 Mio. € (Vorjahr: 0,0 Mio. €) in der Position „Aktivierte Entwicklungsleistungen“ berücksichtigt und aktiviert.

Nicht aktivierte Entwicklungsaufwendungen


Triebwerksfamilie Getriebefan und PW810

Die MTU konzentriert sich auf die Entwicklung einer Triebwerksfamilie, welche den Getriebefan und das Programm PW810 umfasst. Kennzeichnend hierfür ist die Verwendung von ähnlichen Modulen und von gleichen Teilen, was die Entwicklungskosten und letztendlich die Fertigungskosten senkt. Die MTU arbeitet gemeinsam mit Pratt & Whitney an Demonstrator- und Entwicklungsprogrammen für diese neue Generation von Triebwerken.

Beim Getriebefan sind der Fan und die Niederdruckturbine durch ein Getriebe gekoppelt und können damit mit unterschiedlichen Drehzahlen betrieben werden, was beim konventionellen Turbofan bisher nicht möglich war. Damit kann der große Fan langsamer und die Niederdruckturbine schneller laufen. Das verbessert die Wirkungsgrade von Fan und Niederdruckturbine, senkt den Geräuschpegel und ermöglicht halb so viele Stufen in der Turbine.

Im Juli 2008 konnte mit dem Erstflug des Getriebefan-Demonstratortriebwerks am Flying Testbed von Pratt & Whitney ein weiterer wichtiger Meilenstein für diese neue Generation von Flugantrieben erreicht werden. Während der 43 Stunden Flugerprobung an einer Boeing 747SP haben sich die herausragenden Verbesserungen bezüglich reduziertem Brennstoffverbrauch und niedriger Lärmemission bestätigt. Nach Abschluss der ersten Flugtests wurde das Triebwerk für weitere Flugversuche an einem Airbus A340 umgerüstet. Airbus konnte bereits im Oktober 2008 den Erstflug durchführen und mit umfangreichen Leistungsmessungen in Toulouse, Frankreich, und Akustikmessungen in Moron, Spanien, abschließen. Ergebnis: Die Flugerprobung am A340 verlief problemlos, bestätigt die Zielwerte des Triebwerks und wurde 2008 abgeschlossen.

Für die Serienversion des Getriebefans entwickelt die MTU ebenfalls die schnelllaufende Niederdruckturbine sowie gemeinsam mit Pratt & Whitney einen neuen Hochdruckverdichter, der im März auf dem MTU-Verdichterprüfstand erfolgreich Wirkungsgradziele erreicht und Operationalität gezeigt hat. Der Getriebefan basiert maßgeblich auf technologischen Vorarbeiten der MTU.

Als erster Kunde hat Mitsubishi Heavy Industries den Getriebefan PW1217G als exklusiven Antrieb für den neuen Regionaljet MRJ mit 70 bis 90 Sitzen ausgewählt. Bombardier will eine leistungsstärkere Version dieses Triebwerks PW1524G als Antrieb für seine neue CSeries (Regionaljet mit 100 bis 130 Sitzen) exklusiv nutzen. Die Markteinführung dieser beiden Flugzeuge ist ab 2013 geplant. Die MTU ist an beiden Programmen mit 15% beteiligt. Für die Nachfolge der Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeuge Boeing 737 und der Airbus A320-Familie stellt der Getriebefan ebenfalls die optimale Lösung dar und macht aufgrund der deutlichen Verbesserungen die Entwicklung eines Nachfolgers sinnvoll.

Das Kerntriebwerk des Getriebefans findet seine dritte Anwendung im PW810, einem Antrieb für große Geschäftsreiseflugzeuge mit dem Erstkunden Cessna Citation Columbus. Auch an diesem Programm ist die MTU mit 15 % beteiligt. Der Erstflug ist für 2011 geplant, die erste Auslieferung für 2014.

Aufgrund des langen Entwicklungszeitraums werden zum Ende des Geschäftsjahres 2008 noch nicht alle Voraussetzungen für die Aktivierung der Entwicklungsaufwendungen für diese Antriebe erfüllt.

Auch die Triebwerke, die die MTU gegenwärtig in den Markt einführt, zeigen deutliche Fortschritte in Richtung der ACARE-Ziele. So zeichnet sich etwa das GP7000, das den Airbus A380 antreibt, durch extrem niedrige Lärmemissionen und geringen Brennstoffverbrauch aus. Die MTU entwickelte für das GP7000 mit der Niederdruckturbine und dem Turbinenzwischengehäuse entscheidende Komponenten. Das Triebwerksprogramm hat sämtliche technischen Ziele auf Anhieb erreicht und die ersten Antriebe wurden im Juli an den ersten Kunden, Emirates, übergeben.

Programmunabhängige Technologien

Die MTU erforscht und entwickelt innovative und programmunabhängige Technologien für Verdichter, Turbinen, Triebwerkssysteme und Regler sowie für die Fertigung und Instandhaltung von Antrieben. Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zum Zeitpunkt der Investitionen noch nicht aktivierungsfähig, da die Forschungsphase nicht klar von der Entwicklungsphase unterschieden und die technische und kommerzielle Realisierbarkeit noch nicht ausreichend nachgewiesen werden konnten.

Entwicklungsaufwendungen für militärische Anwendungen

Im Mittelpunkt der Entwicklungsaktivitäten für militärische Anwendungen stand das TP400-D6, das stärkste Turboproptriebwerk der westlichen Welt, für den Airbus-Militärtransporter A400M. Die MTU steuert zu diesem Drei-Wellen-Triebwerk den kompletten Mitteldruckteil bei, der aus Mitteldruckverdichter, Mitteldruckturbine und Welle besteht. Zusammen mit dem französischen Partner Snecma entwickelt sie die Triebwerks- und Propellerregelung. Im Januar 2008 wurden vier Triebwerke für Flugtests an Airbus ausgeliefert. Ein weiteres Triebwerk absolvierte am Flying Testbed, einer umgebauten Hercules C-130, erfolgreich Bodentests. Im Mai bestand das TP400-D6 den kritischen Large-Bird-Strike-Test, der bei Propellertriebwerken einen direkten Vogeleinschlag in den Mitteldruckverdichter verlangt. Der MTU-Verdichter erlitt dabei keine kritischen Beschädigungen und konnte wie von den Zulassungsbehörden vorgeschrieben sicher heruntergefahren werden.

Sicherung Intellectual Capital

Zum 31. Dezember 2008 umfasst das Patentportfolio der MTU 771 Schutzrechtsfamilien. Davon entfallen 672 Schutzrechtsfamilien auf das OEM-Geschäft (Turbine, Verdichter, Triebwerkssysteme und Fertigungsprozesse) und 99 Schutzrechtsfamilien auf Technologien im Geschäftssegment Zivile Triebwerksinstandhaltung (MRO). Technische, gewerbliche Schutzrechte (Patente und Gebrauchsmuster) wurden angemeldet, um Erfindungen und Entwicklungen in den wesentlichen Technologien zu schützen.

Durchschnittlicher Beschäftigungsgrad

Im Bereich Forschung und Entwicklung haben im Geschäftsjahr 2008 durchschnittlich 766 Mitarbeiter (Vorjahr: 715 Mitarbeiter) gearbeitet; dies entspricht 10,5 % der Konzernbelegschaft (Vorjahr: 10,1%). Die Tabelle zeigt die Entwicklung der durchschnittlich im Konzern beschäftigten Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung.


Darüber hinaus bearbeitet die MTU Fragestellungen zu langfristigen Technologien und betreibt Grundlagenforschung. Partner sind technische Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kompetenzzentren und andere Industrieunternehmen.

Corporate Responsibility

Mitarbeiterbericht

Die MTU beschäftigte am 31. Dezember 2008 7.537 Mitarbeiter, davon 309 Auszubildende. Im Vergleich zum 31. Dezember 2007 stieg die Beschäftigtenzahl um 6 %. Dieser Zuwachs ist im Wesentlichen auf den Ausbau des globalen MRO-Geschäfts, gezielte Verstärkungen im OEM-Geschäft sowie den Aufbau des neuen Werkes in Polen zurückzuführen. Der Personalaufwand der MTU erhöhte sich auf 503,2 Mio. € gegenüber 470,9 Mio. € im Geschäftsjahr 2007; nähere Angaben hierzu enthält Abschnitt 17.2. des Anhangs.

Die stärkere Internationalisierung der MTU führte 2008 zu einer Erhöhung des ausländischen Belegschaftsanteils. Am 31. Dezember 2008 beschäftigte die MTU in ihren Werken und Firmenvertretungen außerhalb Deutschlands 804 Mitarbeiter gegenüber 607 im Vorjahr; in Deutschland belief sich die Zahl Ende 2008 auf 6.733 Personen (31. Dezember 2007: 6.523).


Qualifikation und Weiterbildung

Die Entwicklung, Fertigung und Instandhaltung von Triebwerken erfordert ein hohes Maß an Kompetenz. Die MTU legt großen Wert darauf, das Wissen der Belegschaft auf dem neuesten Stand zu halten, und sieht Bildungsaktivitäten als Investitionen in die Zukunft. Die Schwerpunkte lagen auf den Themen Technik, Qualität, Arbeits- und Umweltschutz sowie Sprachen.

Auch beim Aufbau des neuen Produktionsstandortes im polnischen Rzeszów spielt die Mitarbeiterqualifizierung eine zentrale Rolle. Rund 60 % der für den neuen Standort qualifizierten Mitarbeiter verfügen bereits über Berufserfahrung im Luftfahrtbereich. Damit haben sie eine optimale Voraussetzung, um die anspruchsvollen Qualifikationsprofile beispielsweise eines Prüfers, Befunders oder Qualitätsingenieurs zu erfüllen. Unterstützt von deutschpolnischen Mentoren wurden an den drei deutschen Standorten insgesamt 140 Mitarbeiter auf Arbeitsprozesse und Qualitätsstandards geschult.

Ausbildung

Über das notwendige Fachwissen und ausreichende Erfahrungen rund um die Produktion und Instandhaltung moderner Triebwerke verfügt auf dem internationalen Arbeitsmarkt nur eine relativ geringe Zahl von Arbeitskräften. Für die systematisch aufgebaute Nachwuchssicherung der MTU ist die Ausbildung damit ein strategischer Schlüsselfaktor der künftigen Wettbewerbsfähigkeit. Die Steigerung der Ausbildungsplätze in den technischen Berufsfeldern und die Weiterqualifizierung im Rahmen der Personalentwicklung sichern das Spezialistenwissen der MTU durch den systematischen Aufbau qualifizierter Mitarbeiter im eigenen Unternehmen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Ausbildungszahlen in den technischen Berufen und in den Dualen Studiengängen deutlich gesteigert werden: Mit 301 Auszubildenden an den deutschen Standorten erreicht die MTU eine Auszubildendenquote von nahezu 5 %.

JET Junior-Einstiegs- und Traineeprogramm

Mit dem Junior-Einstiegs- und Traineeprogramm (JET) hat die MTU ein neues Instrument zur Nachwuchssicherung entwickelt. JET bietet Berufseinsteigern eine klare Perspektive innerhalb des Unternehmens, denn das 18-monatige Programm wird gezielt in den Abteilungen und Fachbereichen umgesetzt, die Nachwuchskräfte benötigen. Vor Programmstart wird für jeden Teilnehmer die Zielposition spezifisch festgelegt, so dass eine Vorbereitung auf die künftige Position erfolgen kann und ein persönlicher Entwicklungsplan den Weg bis zum Einsatz begleitet.

Arbeitszufriedenheit

Ein attraktives Arbeitsumfeld sowie ein umfangreiches Weiterbildungsangebot tragen maßgeblich dazu bei, dass die MTU eine nur geringe Fluktuation verzeichnet. Wie bereits in den Vorjahren lag diese 2008 bei 4,4 % (Summe München, Hannover und Berlin). Der Prozentsatz der Eigenkündigung von Angestellten an der Gesamtbelegschaft lag sogar unter 1 % (München). Sichtbaren Ausdruck findet die hohe Arbeitszufriedenheit auch in der erneuten Auszeichnung der MTU als einer der 100 TOP Arbeitgeber. Das Jobmagazin karriere aus dem Verlagshaus Handelsblatt bewertet jährlich gemeinsam mit dem geva-institut deutsche Arbeitgeber in einer umfangreichen Studie. Seit der ersten Teilnahme im Jahr 2007 konnte die MTU ihre Bewertung nochmals verbessern. Von 30 möglichen Punkten erzielte die MTU im jüngsten Ranking 28,5 Punkte und belegte damit Platz 13 unter den TOP Arbeitgebern in Deutschland.

Mitarbeiterbefragung

Als wichtiges Feedback- und Informationsinstrument der MTU dient die Online-Mitarbeiterbefragung. Die hohe Beteiligung von über 70 % zeigt das große Engagement der Mitarbeiter für die MTU. Intensive kommunikative Vorbereitung und nachhaltige Unterstützung in allen Führungsebenen tragen zu dieser hohen Beteiligung bei. Im zweijährigen Rhythmus durchgeführt, wurde das 2006 neu eingeführte Befragungsinstrumentarium mit 47 Fragen wieder eingesetzt. Die jüngsten Ergebnisse erlauben damit eine direkte Vergleichbarkeit. Positiv bewertete die Mehrheit der Mitarbeiter die Wettbewerbsfähigkeit und Bezahlung bei der MTU. Optimierungspotenzial wurde bei Führung und Mitarbeitereinbindung sichtbar. Diese Erkenntnisse fließen in einen umfangreichen Veränderungsprozess ein.

Erfolgsbeteiligung

Das im Vorjahr entwickelte System der Erfolgsbeteiligung im tariflichen und außertariflichen Bereich wurde 2008 erstmals umgesetzt. Für alle Hierarchieebenen gilt damit eine durchgängige Systematik der Leistungsbewertung. Das Bonussystem beruht gleichermaßen auf dem erzielten Unternehmenserfolg sowie dem persönlichen Erfolg des Mitarbeiters in seinem Bereich. Schlüsselgröße für die Höhe sämtlicher Bonusausschüttungen ist die MTU-Zielerreichung, gemessen am operativen Ergebnis und Free Cashflow. Die konsequente Weiterentwicklung dieses Vergütungsbestandteils konnte zum Jahresende abgeschlossen werden.

Mitarbeiter-Aktienprogramm

Im vergangenen Jahr hat die MTU das Mitarbeiter-Aktienprogramm als ein wichtiges Instrument der Mitarbeiterbindung und zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität gestartet. Die MTU gewährt auf die Investitionssummen der Mitarbeiter einen Matchbetrag von 50 %, gebunden an eine Sperrfrist von zwei Jahren. Die Gesamtinvestitionssumme aller Mitarbeiter betrug rund 4,9 Mio. €. Weitere Informationen hierzu sind im Konzernanhang unter Abschnitt 30.4. zu finden.

Strategische Personalpolitik

Die langfristige Ausrichtung der Personalarbeit ist für die MTU angesichts der Entwicklungen der Luftfahrt und ihres Umfeldes von größter Bedeutung. Die drei wichtigsten strategischen Rahmenbedingungen sind der demografische Wandel, die wettbewerbsgerechte Gestaltung der HR-relevanten Prozesse und die Expansion der MTU.

Die vorrangigen Ziele der MTU-Personalarbeit liegen weiterhin darin, einen Beitrag zur Wertsteigerung zu leisten. Im Vordergrund stehen die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, die flexible Organisation des Personalbereiches für kurzfristig auftretende Anforderungen sowie die weitere Senkung des Personalkostenanteils. Durch klar ausgerichtete Maßnahmen konnte die MTU bei der Erreichung dieser Ziele 2008 entscheidend vorangebracht werden.

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource der MTU. Ihr Schutz und ihre Sicherheit genießen daher hohe Priorität. Ein durchgängiges Managementsystem definiert Ziele, Maßnahmen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Unternehmen. Interne und externe Audits überprüfen laufend Wirksamkeit und Status quo aller Aktivitäten und identifizieren Verbesserungsmöglichkeiten. Die Zahl der Arbeitsunfälle pro 1.000 Beschäftigte konnte durch diese Maßnahmen 2008 auf dem niedrigen Niveau von 4,1 pro 1.000 Mitarbeitern gehalten werden; Ende der 1990er-Jahre war diese Zahl noch mehr als doppelt so hoch.


Das Gesundheitsmanagement der MTU ermöglicht allen Beschäftigten Zugang zu einem Werksarztteam sowie einer Sozialberatung, deren Schwerpunkt auf der Unterstützung sozialer, kommunikativer und mentaler Fähigkeiten liegt. Die Werksärzte bieten neben der akuten Behandlung ein umfangreiches Präventionsprogramm.

Auch das Gesundheitsmanagement will sich stetig verbessern. Seit 2004 arbeitet die MTU im Netzwerk „Enterprise for Health“ (EfH) mit, um ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit im Unternehmen weiterzuentwickeln und zu festigen. 19 europäische Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, um die Bereiche Gesundheit, motivierte Mitarbeiter, partnerschaftliche Unternehmenskultur und wirtschaftliche Entwicklung zu vernetzen und zu benchmarken.

Vereinbarkeit Beruf und Familie

Die MTU hat Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon frühzeitig als wichtiges Element der Arbeitgeberattraktivität identifiziert. Seit 2001 lässt sich das Unternehmen regelmäßig durch die Hertie-Stiftung im Bereich Familie und Beruf auditieren. 2008 erhielt die MTU das Zertifikat erneut. Während in der Vergangenheit die Ziele eher im Ausbau und der Stärkung familienbewusster Strukturen und Regelungen lagen, steht für die kommenden drei Jahre die Steigerung der Akzeptanz bestehender Angebote im Fokus. Damit wirken diese Ziele vor allem in den Bereichen Unternehmenskultur und Führung und sollen es Mitarbeitern erleichtern, bestehende Strukturen und Regelungen für sich zu nutzen. Weitere Informationen zur Personalarbeit der MTU finden sich im Personalbericht 2007 / 2008.

Gesellschaftliche Verantwortung

Das Engagement der MTU endet nicht an den Werkstoren, sondern entfaltet sich auch im unmittelbaren Umfeld ihrer Standorte. Als Förderer, Sponsor und Netzwerker unterstützt die MTU lokale und regionale Vereine, Organisationen und Institutionen.

Ein Beispiel sind Schulkooperationen, die das Unternehmen im Umland der deutschen Standorte unterhält. Schülern werden unter anderem Hausarbeitsthemen und Praktikumsplätze vermittelt. Ziel ist es, junge Leute bei ihrer Berufswahl zu unterstützen und frühzeitig für Technik zu begeistern.

Mit dem „Social Step“ hat die MTU ein Programm für ihre Führungskräfte aufgelegt. Die Manager absolvieren einen zweiwöchigen Arbeitseinsatz in sozialen Einrichtungen – zum Beispiel Bahnhofsmissionen oder Sterbehospize – und sollen daraus wertvolle Erfahrungen für sich und ihre Arbeit ziehen.

Wissenschaftliche Kooperationen

Intensiv engagiert sich die MTU im Wissenschafts- und Forschungsbereich. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Mit kompetenten Forschungspartnern werden strategische Allianzen gebildet, um die Verzahnung mit Hochschulen weiter zu fördern und die Innovationsfähigkeit der MTU zu sichern. In den vergangenen Jahren wurden die Zusammenarbeit mit führenden deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen intensiviert und zur Optimierung der Kooperation sechs Kompetenzzentren gegründet. Jedes Zentrum befasst sich mit einem speziellen Forschungsbereich, etwa Verdichtern oder Reparaturverfahren.

Aktiv fördert die MTU Netzwerke von Universitäten und Forschungseinrichtungen mit dem gleichen technischen Schwerpunkt. Universitäten und Fachhochschulen werden Triebwerksexponate zur Verfügung gestellt, MTU-Experten halten Vorlesungsreihen und betreuen Praktikums-, Diplom- und Doktorarbeiten; Studenten erhalten tatkräftige Unterstützung bei Haus- und Abschlussarbeiten. Herausragende Leistungen werden honoriert: So vergibt das Unternehmen jedes Jahr den Heilmann-Preis an einen jungen Wissenschaftler, der sich um die Triebwerkstechnologie verdient gemacht hat.

Eine weitere MTU-Initiative ist das Bauhaus Luftfahrt. Diesen eingetragenen Verein hat die MTU gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, der EADS und Liebherr-Aerospace im Jahr 2005 gegründet. Aufgabe der Ideenschmiede ist es, Konzepte für den Luftverkehr der Zukunft zu entwickeln. Durch die interdisziplinäre Arbeitsweise soll die Kooperation zwischen Forschung und Industrie vertieft werden.

Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen


Umweltbericht

Die ökologischen Problemstellungen und Herausforderungen, die die immer weiter voranschreitende Globalisierung mit sich bringt, führen dazu, dass dem Umwelt- und Ressourcenschutz national und international eine hohe und weiter wachsende Bedeutung zukommt. Der Schutz der Umwelt ist für die MTU-Gruppe keine Pflichtaufgabe, sondern Teil der Verantwortung, die sie für Mitarbeiter, Kunden, Partner und Nachbarn übernimmt. Für das Unternehmen ist der offene Dialog mit Kunden, Partnern, Behörden und Nachbarn selbstverständlich.

Der Schutz der Umwelt ist als wesentliches Unternehmensziel in der Unternehmensphilosophie verankert. Das Ziel wird mittels des integrierten Managementsystems umgesetzt und im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung stetig weiterentwickelt. Die Umsetzung erfolgt im Einklang mit den anderen Unternehmenszielen und wird vom Vorstand regelmäßig beurteilt. Im Vordergrund stehen der verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen und Materialien sowie die Entwicklung umweltschonender, emissionsarmer Triebwerke.

An alle Prozesse und Verfahren – angefangen bei der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur Instandsetzung von Triebwerken – werden strenge Umweltschutzkriterien angelegt, die die gesetzlichen Anforderungen als Mindestmaß berücksichtigen. Von ihnen werden MTU-interne Standards abgeleitet, die für alle Konzernstandorte verbindlich sind. Ihre Einhaltung wird durch interne und externe Audits nach DIN EN ISO 14001 – und an den deutschen Standorten München und Hannover auch nach der Verordnung des Europäischen Parlaments und Rats EMAS (Eco Management Audit Scheme) – regelmäßig überprüft und bestätigt. Im Rahmen des integrierten Managementsystems der MTU wird der Umweltschutz im Prozess der kontinuierlichen Verbesserung überprüft und weiterentwickelt. Zielsetzungen werden regelmäßig durch den Vorstand bewertet und das Ergebnis in Umwelterklärungen der Standorte veröffentlicht. Das Engagement geht noch weiter: So ist die MTU Aero Engines, München, zum Beispiel Partner des Umweltpaktes Bayern und unterstützt umweltrelevante Maßnahmen der Landesregierung und der Stadt München.

Ein zentrales Umweltschutzziel der MTU ist die Einsparung von Ressourcen. Ein Beispiel ist die erneute Verwendung von Triebwerksteilen nach erfolgter Reparatur. Dank neuer Methoden und Verfahren erhalten rund 70 % aller Triebwerksschaufeln ein zweites, drittes und viertes Leben. Die Einsparung von Ressourcen durch die Reduzierung des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie sowie die Wiederverwertung von Materialien durch direktes Recycling im Originalkreislauf sind Standard. Damit leistet die MTU einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Angesichts der hohen Energiepreise dienen diese Maßnahmen zugleich der Wirtschaftlichkeit der MTU.

Zusammen mit den wichtigsten Luftfahrtunternehmen hat sich die MTU verpflichtet, die im Rahmen von ACARE (Advisory Council for Aeronautical Research in Europe) langfristig definierten Umweltziele für Flugzeuge umzusetzen: Bis zum Jahr 2020 sollen die CO2-Emissionen halbiert (davon müssen Triebwerke 20 % beitragen) und die NOX-Emissionen um 80 % gesenkt werden; das Lärmaufkommen gilt es zu halbieren.

Ein erster Schritt zur Umsetzung dieser Ziele ist die MTU-Beteiligung am Triebwerk GP7000 für den Airbus A380. Durch die Kombination fortschrittlicher Flugzeug- und Turbofan-Technologie ist es gelungen, den spezifischen Brennstoffverbrauch von derzeit durchschnittlich 4,3 Litern pro Passagier und 100 km auf 2,9 Liter zu senken. Die MTU steuert zum GP7000 unter anderem die Schlüsselkomponente Niederdruckturbine bei. Erstmals konnten hier Wirkungsgrade über 93 % realisiert werden.

Die längerfristige Antwort der MTU auf die ACARE-Ziele ist das Technologieprogramm Claire (Clean Air Engine): In drei Schritten soll eine Reduzierung der Kohlenstoffdioxid-Emissionen um 30 % und eine Halbierung des subjektiv empfundenen Lärms bis zum Jahr 2035 realisiert werden. Dies erfolgt mit der Kombination des gegenläufigen Getriebefans mit einem Wärmetauscher.

Einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Triebwerkskonzepte liefert die technologische Weiterentwicklung der MTU-Komponenten mit dem Ziel, die heutigen Maßstäbe bezüglich Wirkungsgrad, Gewicht und Komponentenauslastung zu übertreffen. Beim Hochdruckverdichter werden Wirkungsgrade von mehr als 90 % und Gewichtsreduzierungen um mindestens 20 % erreicht. Bei der Niederdruckturbine werden sogar Wirkungsgrade über 93 % bei Gewichtsreduzierungen von 25 % und mehr angestrebt. Technologieschwerpunkte sind die kontinuierliche Verbesserung der 3D-Aerodynamik, fortschrittlichere Werkstoffe und neue Bauweisen. Bessere Wirkungsgrade und niedrigeres Gewicht senken den Kraftstoffverbrauch drastisch.

Außerdem beteiligt sich die MTU am Leuchtturmprogramm „Öko – effizientes Fliegen“ des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 klimaneutrales Fliegen zu ermöglichen. In einem abgestimmten Maßnahmenkatalog werden die notwendigen Technologien einschließlich einer alternativen Brennstoffversorgung definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt. Ein Luftverkehr, der den Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht, wird damit auch in Zeiten zunehmender Klimarestriktionen und schwindender Rohölvorräte ermöglicht.

Ein signifikanter Beitrag zur Verringerung der Umweltbelastung zukünftiger Produkte ist auch die Vermeidung umweltgefährdender Fertigungs- und Reparaturprozesse sowie Materialien. Hierzu gehört unter anderem der Verzicht auf Quecksilber, Kadmium und Chromat in Werkstoffen für Bauteile, Verbindungen und Beschichtungen.