Konzernlagebericht

Prognosebericht

Trotz globaler Rezession rechnet die MTU mit einer positiven Geschäftsentwicklung. Das Unternehmen erwartet ein hohes Niveau des Free Cashflow und des Ergebnisses.

 

Künftige Rahmenbedingungen

Expertenprognosen zufolge soll die Weltkonjunktur im Jahr 2009 erheblich an Schwung verlieren. Die Krise an den Finanzmärkten wird die konjunkturelle Entwicklung belasten. Nach einem Wachstum der Weltwirtschaft von 2,2 % im Jahr 2008 rechnen Experten mit einem globalen Rückgang von 1,9 % (EIU) im Jahr 2009. Damit würde die Weltwirtschaft im laufenden Jahr eine Rezession durchschreiten.

Die Industriestaaten befinden sich momentan bereits in einer starken Rezession, trotz des positiven Impulses niedriger Rohstoffpreise. In den USA dauert die Immobilienkrise an, die Finanzmarktprobleme schlagen auf die Wirtschaft durch, was am schwachen Arbeitsmarkt abzulesen ist. Die Euro-Zone wird weiter mit mehreren Widrigkeiten kämpfen, wie den knappen Finanzressourcen, der starken Eurobewertung und anlaufenden Immobilienkrisen in Spanien, Irland und Großbritannien. Die Entwicklungsländer werden natürlich von den Turbulenzen der Finanzwelt und den sinkenden Handelsvolumina betroffen sein. Auch Osteuropa wird darunter leiden, während Lateinamerika durch die strukturellen Verbesserungen der letzten Jahre weniger anfällig sein dürfte. Es werden die dynamischen Volkswirtschaften Asiens sein, die auch weiterhin einen nennenswerten Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft leisten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Entwicklung zwar weniger dramatisch als die Economist Intelligence Unit (EIU), eine Verbesserung der Situation erwarten beide jedoch erst 2010. Die Komplexität der Krisensituation macht die Beurteilung der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zu einem äußerst schwierigen Unterfangen. Da die Inflationsgefahr als gebannt gilt und der Ölpreis auf einem Niveau von 2004/2005 prognostiziert wird, besteht in der Wirtschaft große Zuversicht an einer positiven Wirkung der milliardenschweren Unterstützungsaktionen der Industriestaaten, welche den Aufschwung bald einleiten sollen.


Branchenentwicklung

Die IATA erwartet 2009 eine deutlich abgeschwächte Verkehrsentwicklung, die sich im Vergleich zum Vorjahr für den Januar mit -5,6 % im Passagierverkehr und -23,2 % im Frachtverkehr bereits andeutet. Für das Gesamtjahr 2009 wird mit einer Reduktion des Passagierverkehrs um mehr als 3 % und im Frachtverkehr von mehr als 5 % gerechnet. Die Verluste der Airlines könnten sich sogar erhöhen, trotz bereits eingeleiteter Gegenmaßnahmen – die Auslastung ihrer Flugzeuge optimieren, die Kostensituation nachhaltig senken, sowie das weltweit relativ hohe Niveau der Flugticketpreise stabilisieren.

Deutlich schwieriger als in den Vorjahren ist die Finanzierung der Flugzeuge durch die Airlines und Leasinggesellschaften. Dies dürfte dazu führen, dass etliche Bestellungen mit dem Liefertermin 2009 und 2010 in spätere Zeiträume verschoben werden, sowie Abbestellungen bzw. die Nicht-Ausübung von Kaufoptionen zunehmen.

Im vergangenen Jahr konnten Airbus und Boeing trotz aller Widrigkeiten das viertbeste Auftragsvolumen ihrer Geschichte verzeichnen. Obwohl erwartet wird, dass die Bestellungen in diesem Jahr deutlich zurückgehen, reichen die Auftragsbestände bis weit über die prognostizierte Krisenzeit hinaus. Die Produktionszahlen in 2009 dürften bei Airbus und Boeing annähernd auf dem Niveau von 2008 liegen.

Deutlich schlechter ist die Situation für die Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen. Aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise werden die Produktionsraten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich reduziert werden, Entlassungen sind bereits angekündigt.


Künftige Entwicklung des MTU-Konzerns

Die MTU ist Risk- and Revenue-Sharing-Partner der größten Triebwerkshersteller der Welt und der größte unabhängige Anbieter ziviler Instandhaltungsdienstleistungen. Daher wird sich die MTU der Marktentwicklung in der weltweiten Luftfahrt nicht entziehen können. Aufgrund ihres Geschäftsmodells mit Aktivitäten über den gesamten Lebenszyklus von zivilen und militärischen Triebwerken hinweg ist die MTU jedoch gut positioniert, um sich auch in einem schwierigeren Marktumfeld zu behaupten.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ist in ihren Auswirkungen schwer abzuschätzen. Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf dem Kenntnisstand des Jahresanfangs 2009 und weisen im Vergleich zu Prognosen früherer Jahre eine deutlich erhöhte Unsicherheit aus. Konkrete Prognosen über das Jahr 2009 hinaus sind nach diesem Kenntnisstand nicht möglich.

Geplante Änderungen in der Geschäftspolitik

Das Unternehmen beabsichtigt, in den kommenden Jahren keine grundlegende Änderung der Unternehmensstrategie vorzunehmen.

Neue Produkte und Dienstleistungen

Im vergangenen Jahr ist die MTU in neue Triebwerksprogramme eingestiegen, die in den nächsten Jahrzehnten einen maßgeblichen Anteil am Umsatz haben werden. Das Unternehmen schätzt das Marktvolumen dieser Programme über deren gesamte Laufzeit auf insgesamt rund 30 Mrd. €. Es handelt sich um das PW810 für schwere Geschäftsreiseflugzeuge, die Getriebefans PW1217G für den neuen Mitsubishi Regionaljet und das PW1524G für die CSeries von Bombardier, das GE38 für Schwerlast-Hubschrauber sowie das Programm GEnx für die Boeing 787 sowie 747-8. Auch an zwei Versionen der Industriegasturbine LM6000 von General Electric hat sich die MTU beteiligt.

Umsatz

Aufgrund der im Markt vorgehaltenen Auftragsbestände erwartet die MTU für das Geschäftsjahr 2009 ein Umsatzniveau von etwa 2.800 Mio. €.

Umsatz nach Geschäftssegmenten

Die Umsatzprognosen im Zivilen und Militärischen Triebwerksgeschäft (OEM) und in der Zivilen Triebwerksinstandhaltung (MRO) gehen für das Geschäftsjahr 2009 von folgenden Annahmen aus:

  • Dollarkursbereinigt erwartet die MTU einen leichten Rückgang in der zivilen Serienfertigung insbesondere durch die reduzierten Fertigungsumfänge bei Geschäftsreiseflugzeugen und im zivilen Ersatzteilgeschäft aufgrund der rückläufigen Marktentwicklung.
  • Das Militärische OEM-Geschäft dürfte auch in 2009 einen Jahresumsatz in der Größenordnung von 2008 erreichen.
  • In der Zivilen Triebwerksinstandhaltung wird für 2009 dollarkursbereinigt mit einem konstanten Umsatz gerechnet.

Operatives Ergebnis (EBIT bereinigt)

Die MTU erwartet auch für 2009 Profitabilität auf hohem Niveau mit einer operativen Ergebnismarge (EBIT bereinigt) von etwa 10%. Die Reduzierung gegenüber 2008 um rund zwei Prozentpunkte ist im Wesentlichen bedingt durch den Rückgang im zivilen Ersatzteilgeschäft, hohe Investitionen in neue Programme und den Anlauf des Standorts Polen bei gleichzeitiger Verbesserung der Ergebnissituation im MRO-Geschäft. Die EBIT-Zielgröße ist dann gefährdet, wenn sich der Wechselkurs des US-Dollar und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtern.

Ab dem Geschäftsjahr 2009 verwendet der Konzern zur Messung der operativen Ertragskraft das bereinigte EBIT (bis einschließlich 31. Dezember 2008: bereinigtes EBITDA), um eine bessere Vergleichbarkeit gegenüber der Peer Group und übrigen kapitalmarktorientierten Unternehmen zu gewährleisten. Die im Wesentlichen aus dem Unternehmenserwerb durch Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) von der DaimlerChrysler AG resultierenden Abschreibungen werden in der Überleitungsrechnung dem EBIT zugerechnet und um sonstige Sondereinflüsse bereinigt (EBIT bereinigt).

Jahresüberschuss und Gewinn je Aktie

In Folge der geplanten Zukunftsinvestitionen geht die MTU für das Geschäftsjahr 2009 von einem Rückgang des Jahresüberschusses auf etwa 140 Mio. € aus. Dieser Wert kann neben den Einflussgrößen auf das operative Ergebnis von Unwägbarkeiten im Finanzergebnis, insbesondere der hohen Volatilität des US-Dollar-Kurses und der Bewertung von Rohstoffkontrakten stark beeinflusst werden.

Dividendenausschüttung

Seit der Handelsaufnahme der MTU-Aktie am 6. Juni 2005 an der Frankfurter Wertpapierbörse konnte das Unternehmen an seine Aktionäre jedes Jahr eine Dividende ausschütten. Für das Geschäftsjahr 2005 lag die Dividende bei 0,73 € pro Aktie. In den Folgejahren stieg die Dividende pro Aktie auf 0,83 € für 2006 und 0,93 € für 2007 und 2008.

Die MTU verfolgt auch in den nächsten Jahren eine Dividendenpolitik mit dem Ziel der Kontinuität und einer ertragsorientierten Ausschüttung. Die MTU-Aktie soll auch künftig eine renditestarke Anlage bleiben. Die künftige Ausschüttung wird sich daher an der Entwicklung des Jahresüberschusses unter Berücksichtigung des handelsrechtlichen Ergebnisses orientieren.

Investitionen, Finanzierungsmaßnahmen und Free Cashflow

Die Finanzierungsstruktur der MTU wird sich 2009 nicht wesentlich ändern. Den Finanzierungsbedarf für das laufende Geschäft sowie für die Investitionen wie etwa den Ausbau des Werkes in Polen und Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen (z.B. GTF und GEnx), wird das Unternehmen auch in den kommenden Jahren aus dem Cashflow decken können. Trotz der erhöhten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen erwartet die MTU für 2009 einen Free Cashflow von rund 80 - 100 Mio. €. Darüber hinaus besteht innerhalb der Kreditlinien sowie genehmigten Kapitalmaßnahmen ein weiterer, noch nicht ausgeschöpfter Finanzierungsspielraum.

Rechtliche Struktur

Wesentliche Änderungen in der rechtlichen Unternehmensstruktur sind derzeit nicht geplant.

Mitarbeiter

Trotz der Neueinstellungen bei der MTU Aero Engines Polska und des bedarfsgerechten Aufbaus von weiteren Ingenieurkapazitäten für die Entwicklung der neuen Triebwerksprogramme wird die Anzahl der Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2009 voraussichtlich nahezu konstant bleiben.

Chancen

Chancen aus der Entwicklung der Rahmenbedingungen

Der aktuelle Rückgang im Luftverkehr hat auf die MTU bislang nur geringe Auswirkungen. Das Ersatzteilgeschäft ist bislang weitgehend stabil. Von Flugzeugstilllegungen ist das Geschäft der MTU aufgrund des modernen Triebwerksportfolios unterdurchschnittlich betroffen. Die von Flugzeugstilllegungen besonders betroffenen älteren Triebwerkstypen machen lediglich einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der MTU-Umsätze im Zivilen Triebwerksgeschäft aus; die Parkraten vorübergehend stillgelegter Flugzeuge liegen bei Triebwerken aus dem MTU-Portfolio aktuell um mehrere Prozentpunkte unter dem Branchendurchschnitt.

Nach Ende der weltweiten Rezession gehen Prognosen von einem weiter wachsenden globalen Luftfahrtmarkt aus. Dabei steigt die Bedeutung sparsamer und leiser Triebwerke. Mit dem Getriebefan und einer Vielzahl weiterer Innovationen ist die MTU für ein solches Marktumfeld gut aufgestellt.

Im MRO-Geschäft ergeben sich neue Chancen aus dem Wachstum des Luftverkehrs in den Schwellenländern sowie der Konzentration der Airlines auf ihr Kerngeschäft; in diesem Zuge lagern sie die Instandhaltung stärker an Dritte aus. Als weltweit größter unabhängiger ziviler Anbieter wird die MTU von diesem Trend in den kommenden Jahren profitieren.

Leistungswirtschaftliche Chancen

Die technologische Führerschaft und die solide Finanzierungsstruktur eröffnen der MTU in den kommenden Jahren gute Chancen auf gegebenenfalls weitere Programmbeteiligungen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der starke Euro die Umsatzentwicklung der MTU belastet. Eine Verbesserung der Euro/US-Dollar-Wechselkursparität würde die Ertragssituation der MTU leicht verbessern. Eine Stabilisierung oder gar ein Rückgang der Energiekosten sowie günstige Rohstoffpreise hätten positive Auswirkungen auf die Kostenstruktur und damit den Geschäftserfolg der MTU.

Auch in der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation erkennt die MTU Chancen für die Ausweitung des Geschäfts.

Gesamtaussage zur künftigen Geschäftsentwicklung

Trotz des derzeit schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeldes geht die MTU von einer positiven Geschäftsentwicklung aus. Neben den bestehenden Programmen werden die neu abgeschlossenen Programmbeteiligungen trotz der kurzfristig erheblichen Vorleistungen maßgeblich hierzu beitragen. Das stabile Militärgeschäft und die erwarteten Verbesserungen im MRO-Segment werden diese Entwicklung unterstützen. Daher erwartet die MTU ein entsprechend hohes Niveau des Free Cashflow und des Ergebnisses sowie ein attraktives Dividendenpotenzial für die Aktionäre.