Konzernlagebericht

Risikobericht

Für die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit analysiert und bewertet die MTU regelmäßig die Risiken des laufenden Geschäfts. Die Grundlage bildet ein integriertes Risikomanagementsystem. Gegenüber 2007 hat sich keine wesentliche Änderung der Risikolage ergeben.

 

Um langfristig am Markt erfolgreich zu sein, muss die MTU die inhärenten Risiken des laufenden Geschäfts kennen und managen. Dafür hat der Vorstand ein integriertes Risikomanagementsystem eingerichtet, das in die wertorientierte Steuerung und die bestehenden Organisationsstrukturen des Konzerns eingebunden ist. Das System sichert die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und orientiert sich am führenden internationalen Standard COSOII ERM Framework sowie dem Vorschlag der RMA (Risk Management Association e. V.) zum „Standard Risiko- und Chancenmanagement“, dem deutschen Pendant. Die detaillierte Betrachtung der Chancen erfolgt, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, im Geschäftsbericht separat. Hierzu wird auf das Kapitel „Chancen“ verwiesen.

Strategie und Management

Das Risikomanagement der MTU Aero Engines Holding AG ist in einem konzernweit gültigen Risikomanagement-Handbuch dokumentiert, in dem der Umgang mit Risiken in einer Risikostrategie durch den Vorstand verbindlich vorgegeben ist. Die im Risikomanagementhandbuch enthaltenen Richtlinien bilden die Basis für eine einheitliche und angemessene Behandlung von Risiken und deren Kommunikation im Konzern.

Risikomanagementprozess sichert verantwortungsvollen Umgang

Die MTU versteht das Risikomanagement als kontinuierlichen und durchgängigen Prozess, durch den der verantwortungsvolle Umgang mit

  • Einzelrisiken auf Bereichsebene
  • Übergeordneten Risiken, die mehrere Einheiten oder den gesamten Konzern betreffen bzw. übergreifend eingeschätzt werden müssen (Projekte, US-Dollar, Rohstoffpreisentwicklung) sichergestellt wird.

Die Tochtergesellschaften und Bereiche identifizieren, bewerten, steuern und überwachen ihre Risiken eigenverantwortlich und dokumentieren diese in Risk-Maps. Die Berichterstattung an das zentrale Risikomanagement erfolgt quartalsweise und ist mit den Quartalsabschlüssen harmonisiert.

Das zentrale Risikomanagement aggregiert und konsolidiert die gemeldeten Risiken und ermittelt die Gesamtrisikoposition des Konzerns.

Im Risk-Management-Board, das sich aus Führungskräften aller Funktionsbereiche zusammensetzt, werden in jedem Quartal die aggregierten Risiken mit einer Risikoauswirkung von mindestens 5 Mio. € auf die Unternehmenssteuerungsgrößen EBIT bereinigt bzw. Free Cashflow auf Vollständigkeit geprüft, diskutiert und entsprechende Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Darüber hinaus befasst sich das Risk-Management-Board mit den übergeordneten Konzernrisiken, die auf Bereichsebene nur schwer beurteilt werden können.

Der Vorstand erhält quartalsweise den Risk-Report und wird über die aktuelle Risikosituation des Konzerns informiert. Die Top Risk Map des Konzerns ist in die reguläre monatliche Berichterstattung an Vorstand und Aufsichtsrat, jeweils zu den Quartalen, integriert.


Die konsequente Beschäftigung mit Risiken ist für den MTU-Konzern aufgrund des langfristig ausgeprägten Geschäftsmodells eine zentrale Grundlage für die wertorientierte Steuerung und den kontinuierlichen Unternehmenserfolg.

Mit ihrem durchgängigen Risikomanagementsystem hat die MTU die notwendige Transparenz für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Risiken geschaffen. Der Konzern kann risikobehaftete Entwicklungen und potenzielle Risiken frühzeitig erkennen und zielgerichtet Maßnahmen zur Bewältigung und Begrenzung einleiten. Der Risikomanagement-Prozess der MTU ist in die bestehenden Steuerungssysteme integriert und mit ihnen abgestimmt.

So wird sichergestellt, dass sowohl im Rahmen der Planung bereits eine ausgewogene Risikovorsorge getroffen werden kann, die neben Risiken auch künftige Chancen berücksichtigt, als auch das Controlling frühzeitig gegensteuern kann und gegebenenfalls in Abstimmung mit dem Bilanzwesen Rückstellungen gebildet werden können.

Das Risikomanagementsystem wird von der Internen Revision und dem Management regelmäßig geprüft. Darüber hinaus prüft der Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Jahresabschlussprüfung das Risiko-Früherkennungssystem. Organisatorisch hat die MTU alle Voraussetzungen geschaffen, um ihre Risiken aktiv zu managen sowie die Entscheidungs- und Aufsichtsgremien angemessen zu informieren.

Risikopositionen

Gesamtwirtschaftliche Risiken

Wesentliche Risiken für die Entwicklung des MTU-Konzerns ergeben sich aus dem Wechselkursrisiko des US-Dollars, der Rohstoffpreissituation und den allgemeinen konjunkturellen Einflüssen. Die MTU erzielt einen großen Teil ihres Umsatzes im Zivilen Triebwerksgeschäft und der Zivilen Instandhaltung. Dieser Markt hängt stark vom zivilen Flugaufkommen ab und ist zyklischen Schwankungen unterworfen, die unter anderem von der allgemeinen Konjunktur abhängen. Sowohl das Passagieraufkommen als auch das Frachtaufkommen zeigen eindeutig negative Tendenzen, die noch nicht auf eine Stabilisierung hinweisen. Die konjunkturellen Entwicklungen und die teilweise schwierige Situation von Unternehmen führen auch zu einer Veränderung in der Nutzung vorhandener Geschäftsreiseflugzeuge und zu einer Reduktion der Bestellung neuer Transportkapazitäten. Zu weiteren gesamtwirtschaftlichen Risikopotenzialen zählen steigende Energiekosten sowie ausfallende und verzögerte Zulieferleistungen. Insgesamt sind für die MTU aus heutiger Sicht keine bestandsgefährdenden Risiken aus der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu erkennen.

Branchenrisiken

Aufgrund der langen Produktlebenszyklen von Triebwerken, von der Entwicklung über die Serien- bis zur Ersatzteilphase, ist die MTU im Ersatzteilgeschäft verstärkt dem Wettbewerb mit Nachahmer-Unternehmen ausgesetzt, die die hohen Entwicklungskosten und die Anlaufverluste im Seriengeschäft nicht finanzieren müssen und somit zu günstigeren Preisen anbieten können. PMA-Teile (Parts Manufacturer Approval) stammen von Unternehmen, die die Zulassung der amerikanischen Behörde FAA haben. Die MTU begegnet den Risiken der Luftfahrtbranche mit technologischem Vorsprung, der ständig weiter ausgebaut wird.

Aufgrund der konjunkturellen Abhängigkeit des Flugverkehrs - aber auch aufgrund von Krisensituationen - kommen Fluggesellschaften immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die angespannte Situation kann durch steigende Treibstoffpreise sowie die verschärfte Finanzierungssituation der Airlines zusätzlich verschärft werden. Die MTU ist in verschiedenen Marktsegmenten und Schubbereichen tätig und erreicht so eine marktbezogene Risikostreuung.

Die MTU erwartet derzeit keine wesentliche Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Unternehmensstrategische Risiken

Strategische Risiken beinhalten im Wesentlichen Fehleinschätzungen bei Entscheidungen zu Triebwerksbeteiligungen, beim Aufbau neuer Standorte und möglichen M&A-Aktivitäten. Das Geschäftsmodell der MTU, insbesondere im OEM-Segment, ist langfristig ausgelegt. Zwischen einer positiven Triebwerksentscheidung und dem Break Even liegen zum Teil mehrere Jahre der Entwicklung und des Serienanlaufs. Dadurch können sich die wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen im Zeitverlauf wesentlich ändern, aber auch die Airlines als Endkunden können sich in einer späteren Phase noch für ein anderes Triebwerk entscheiden. Die MTU begegnet den strategischen Risiken mit hoch qualifizierten Spezialisten in der Entscheidungsphase sowie dokumentierten Prozessen im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, die eine entsprechende Risikobetrachtung mit unterschiedlichen Szenarien verbindlich vorschreiben. Durch die breite Produktpalette – mit Triebwerken in allen Schubklassen - sind die Risiken breit gestreut und Abhängigkeiten von einzelnen Triebwerksprogrammen minimiert. Die MTU sieht derzeit keine strategischen Risiken, die zu einer Bestandsgefährdung des Unternehmens führen könnten.

Leistungswirtschaftliche Risiken: Marktrisiko

Auftraggeber im Militärischen Triebwerksgeschäft sind nationale und multinationale Behörden, deren Budgets stark von der Lage der öffentlichen Haushalte abhängen. Bei angespannter Haushaltslage besteht das Risiko von Auftragsverschiebungen bzw. Stornierungen. Im Militärischen Triebwerksgeschäft ist das Unternehmen in internationale Kooperationen eingebunden, wodurch Risiken durch eine gemeinsame Interessenvertretung begrenzt werden. Da Behörden immer häufiger versuchen, militärische Triebwerke auf Basis verhandelter Festpreise abzurechnen, besteht bei neuen militärischen Programmen zunehmend das Risiko, dass die dem Vertrag zugrunde liegenden technischen, wirtschaftlichen und marktbezogenen Annahmen von den tatsächlichen Gegebenheiten und den damit verbundenen erzielbaren Renditen abweichen. Bestehende Verträge im militärischen Bereich sind in der Regel langfristig ausgelegt, so dass Preisänderungen weitestgehend ausgeschlossen sind.

Der zivile Triebwerksmarkt ist ein Oligopol, in dem die MTU ihre Produkte überwiegend im Rahmen von Risk- and Revenue-Sharing-Partnerschaften vertreibt. Die Konsortialführer dieser Partnerschaften bestimmen Preise, Konditionen und Nebenleistungen – als Konsortial partner muss sich die MTU an diese Vorgaben halten. Die MTU ist im Rahmen dieser Partnerschaften an den führenden Triebwerksprogrammen der großen Hersteller beteiligt. Kunden dieser Risk- and Revenue-Sharing-Partnerschaften im Zivilen Triebwerks- und Instandhaltungsgeschäft sind Fluggesellschaften. Um zivile Serientriebwerke zu vermarkten, werden den Kunden vielfältige Zugeständnisse gemacht. Aufgrund der Risk- and RevenueSharing-Verträge muss die MTU die Zusagen gemäß ihrem Programmanteil erfüllen. Die gleiche Interessenslage der Partner verhindert ein überzogenes Entgegen kommen bei Vertragsverhandlungen. Programmübergreifend findet ein Risikoausgleich statt: Zugeständnisse an große Kunden in anlaufenden Programmen werden durch sinkende Vermarktungsaufwendungen bei älteren Programmen ausgeglichen.

Insgesamt sind aus heutiger Sicht für die MTU keine bestandsgefährdenden Marktrisiken erkennbar.

Leistungswirtschaftliche Risiken: Entwicklungsrisiko

Im Zivilen und Militärischen Triebwerksgeschäft erbringt die MTU Entwicklungsleistungen, bei denen unplanmäßige Verzögerungen und Kostensteigerungen auftreten können. Das Unternehmen sichert die strikte Einhaltung der Zeitpläne und Budgets ab, indem das Projektmanagement ständig überwacht wird (Abschnitt „Risikobericht“) und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Einbindung in Kooperationen ermöglicht eine partnerschaftliche Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg und bewirkt eine Risikostreuung.

Darüber hinaus unterliegen die Produkte der MTU strengsten Sicherheitsanforderungen. Für ihre Tätigkeit benötigt die Gesellschaft eine Reihe von Behördenzulassungen, insbesondere vom Luftfahrtbundesamt und der US-amerikanischen FAA. Diese Zulassungen gelten nur für bestimmte Zeiträume; zur Verlängerung sind neue Prüfungen notwendig. Detailliert beschriebene Produktions- und Reparaturprozesse gewährleisten die Einhaltung aller Regeln.

Generell sind die Geschäftspläne der MTU bei neuen Triebwerken langfristig angelegt. Sie gehen in der Regel von langen Rückzahlungsfristen aus, so dass sich die Investitionen in der Entwicklungsphase und im Serienanlauf erst über einen längeren Zeitraum amortisieren. Durch den langfristigen Betrachtungszeitraum können die tatsächlichen Gegebenheiten von den zugrunde liegenden technischen, wirtschaftlichen und marktbezogenen Annahmen abweichen und in Folge dessen auch die erzielbare Rendite.

Leistungswirtschaftliche Risiken: Beschaffungs- und Einkaufsrisiken

Die MTU ist in einigen Bereichen der Rohstoffversorgung, bei einzelnen Teilen und Komponenten sowie bei der Bereitstellung spezifischer Dienstleistungen von Lieferanten und Drittanbietern abhängig. Es kann zu Lieferantenausfällen, Qualitätsproblemen und Preiserhöhungen kommen. Um unabhängiger agieren zu können, strebt die MTU die Verpflichtung mehrerer gleichwertiger Lieferanten für Material, Teile und Dienstleistungen an. Mit „Single source“-Lieferanten vereinbart die MTU langfristige Verträge, um die Versorgung auch bei plötzlich auftretenden Engpässen zu sichern und sich vor kurzfristigen Preiserhöhungen zu schützen. Dank der breit gestreuten Zulieferkette sind die Risiken beherrschbar.

Leistungswirtschaftliche Risiken: Programmrisiko

Neben den generellen Geschäftsrisiken sieht die MTU insbesondere Risiken beim Triebwerksprogramm TP400-D6 für den neuen Airbus-Militärtransporter A400M. Die MTU ist in ein Konsortium eingebunden, das von vier europäischen Unternehmen gebildet wird. Entsprechend ihres Programmanteils müssen die Partner Mehrkosten für Entwicklung und Fertigung selbst tragen. Ein Teil dieser möglichen künftigen Belastungen ist durch eine Rückstellung für mögliche vertragliche Verpflichtungen abgedeckt.

Wechselkurs- und Finanzierungsrisiken sowie Sicherungsgeschäfte

Mehr als 80 % der Umsatzerlöse der MTU werden in US-Dollar (USD) erzielt (im Jahr 2008 umgerechnet rund 2.250 Mio. €). Andererseits ist ein Großteil der Aufwendungen in US-Dollar fakturiert und damit eine „natürliche Sicherung“ erfolgt. Die restlichen Kosten fallen hauptsächlich in Euro und in geringem Umfang in Polnischen Zloty (PLN), Chinesischen Renminbi (CNY) und Kanadischen Dollar (CAD) an. Folglich sind die Gewinne in dem Ausmaß, in dem es die MTU unterlässt, ihr aktuelles und zukünftiges Netto-Währungsrisiko durch Finanzinstrumente abzusichern, vom Zeitpunkt des Auftragseingangs bis zur Auslieferung von den Wechselkursschwankungen des US-Dollars gegenüber diesen Währungen abhängig. In Übereinstimmung mit der Politik der MTU, Gewinne nur aus ihrem operativen Geschäft und nicht aus Währungsspekulationsgeschäften zu erwirtschaften, nutzt die MTU Sicherungsstrategien ausschließlich, um die Auswirkungen der Volatilität des Dollarkurses auf das EBIT zu steuern und zu minimieren.

Die durch die MTU eingesetzten Finanzinstrumente sichern den überwiegenden Teil des Nettowährungsrisikos ab, sodass nur ein geringer Teil des US-Dollar-Überschusses Währungsrisiken ausgesetzt ist. Der nicht gesicherte Teil künftiger Zahlungsströme (Forecast-Transactions) wird im Zeitpunkt des Zahlungseingangs mit dem Euro-Kassakurs umgerechnet.

Hedge-Portfolio

Die MTU verwaltet ein langfristiges Sicherungsportfolio mit einer Laufzeit von mehreren Jahren, mit dem US-Dollar-Umsätze gesichert werden. Das Nettorisiko wird definiert als das gesamte Währungsrisiko (auf US-Dollar lautende Umsatzerlöse) abzüglich des Teils, der durch auf US-Dollar lautende Kosten „natürlich gesichert“ ist. Das Hedge-Portofolio umfasst den überwiegenden Teil der Sicherungsgeschäfte des Konzerns.

Für Bilanzierungszwecke bestimmt die MTU aus Vorsichtsgründen nur einen Teil der sicheren zukünftigen Cashflows (Forecast Transactions) als gesicherte Position, um das erwartete Netto-Fremdwährungsrisiko abzusichern. Folglich haben Verschiebungen oder Stornierungen von Grundgeschäften (Zahlungsmitteleingänge) keinen Einfluss auf das Sicherungsverhältnis, solange die tatsächlichen Brutto-Fremdwährungszuflüsse (pro Monat) das Sicherungsvolumen übersteigen. In erster Linie werden Devisentermingeschäfte als Sicherungsinstrumente eingesetzt.

Zum Jahresende 2008 bestanden Devisenterminverkäufe mit einer Laufzeit bis Mai 2011 und einem Nominalvolumen von 880,0 Mio. US-Dollar (umgerechnet zum Stichtagskurs: 632,3 Mio. €) zu Terminkursen in Höhe von 619,9 Mio. €. Die Marktwertveränderungen der Devisentermingeschäfte betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 insgesamt -29,1 Mio. € (Vorjahr: 2,1 €). Weitere ausführliche Erläuterungen zu Finanzinstrumenten sind im Konzernanhang unter dem Abschnitt 42. (Risikomanagement und Finanzderivate) enthalten.

Die schwankende Devisenkursentwicklung des Euro zum US-Dollar erlaubt derzeit keine eindeutige Prognose, wie sich die Devisenkurse weiterhin entwickeln werden. Die Kursrelationen verstärken die Währungsrisiken, in deren Folge der Umsatz der MTU beeinträchtigt werden könnte. Aufgrund der langfristigen Sicherungsstrategie sind die Wechselkursrisiken beherrschbar.

Forderungsausfallrisiko

Im Zivilen Triebwerksgeschäft und in der Zivilen Instandhaltung sind Fluggesellschaften indirekte und direkte Kunden der MTU. Bei diesen Gesellschaften können finanzielle Probleme auftreten. Die Folgen: Sie planen oder führen Umstrukturierungen durch, schließen sich zusammen oder lassen sich unter Gläubigerschutz stellen. Ihre Situation wirkt sich auf die Forderungen der MTU und ihrer Partner aus. Die Kooperationsführer im zivilen Serien- und Ersatzteilgeschäft betreiben ein intensives Forderungsmanagement. In der Zivilen Triebwerksinstandhaltung kontrollieren die Verantwortlichen der MTU offene Forderungen in kurzen Zyklen. Vor Vertragsabschlüssen werden mögliche Risiken beurteilt und eventuelle Sicherungsmaßnahmen festgelegt. Soweit angeboten nutzt die Gesellschaft die Absicherung politischer Kreditrisiken durch Hermesdeckung. Grundsätzlich vermeidet der Konzern unkalkulierbare Geschäftsabschlüsse, so dass die MTU diese Risiken für überschaubar und beherrschbar hält.

Haftungsrisiko

In der Luftfahrtindustrie kann es trotz höchster Qualitätsansprüche in Fertigung und Instandhaltung zu Unfällen kommen. Im Militärischen Triebwerksgeschäft (mit Ausnahme des Exports) ist die MTU durch Freistellungen weitgehend von der Haftung für Produktrisiken befreit. Die verbleibenden Haftungen, insbesondere im Zivilen Triebwerksgeschäft, sind durch Policen mit umfassender Deckung abgesichert – dazu zählt die Luftfahrthaftpflicht. Bestandsgefährdende Risiken durch Feuer und Betriebsunterbrechungen sind ebenfalls versichert. Nicht versichert ist aufgrund der übermäßig hohen Prämien das Terrorrisiko. Durch die Limitierung der Haftungsrisiken und die Versicherungsdeckungen sind die Risiken überschaubar und kalkulierbar.

Abhängigkeiten in Joint Ventures

Im Zivilen Instandhaltungsgeschäft ist die MTU im asiatischen Markt unter anderem an einem 50 : 50-Joint Venture, der MTU Maintenance Zhuhai Co. Ltd., Zhuhai, China, beteiligt. Generell besteht bei gemeinsam geführten Unternehmen, in denen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden müssen, das Risiko von Meinungsverschiedenheiten, wenn die eigenen Interessen nicht mit denen der Partner in Einklang stehen.

Personalrisiken

Die MTU hat für ihre Mitarbeiter weltweit gültige Richtlinien und Verhaltensregeln entwickelt, mit denen das Unternehmen verbindliche Standards in der internen und externen Kommunikation anstrebt. Mitarbeiter, die mit vertraulichen oder sogenannten Insiderinformationen betraut sind, verpflichten sich, die entsprechenden Vorschriften, etwa die des deutschen Anlegerschutzverbesserungsgesetzes, einzuhalten und mit den Informationen verantwortungsvoll umzugehen.

Der Erfolg des Unternehmens ist maßgeblich vom Engagement, der Motivation und den Fähigkeiten der Mitarbeiter abhängig. In der Luftfahrtbranche herrscht großer Wettbewerb, hoch qualifizierte Mitarbeiter für die Entwicklung, Herstellung und Instandhaltung technischer Spitzenprodukte zu gewinnen. Die MTU begrenzt diese Risiken durch intensive Weiterbildungs- und Nachwuchskräfteprogramme sowie leistungsgerechte Vergütungen, Stellvertreterregelungen und frühzeitige Nachfolgeplanungen. Insbesondere aufgrund der Herausforderungen bei der Entwicklung im Zuge der neu anlaufenden Programme, müssen in den nächsten Jahren entsprechend hohe Entwicklungskapazitäten zur Verfügung stehen.

Dieser Herausforderung begegnet die MTU durch den Aufbau zusätzlicher Entwicklungskompetenz in München und am neuen Standort Polen sowie durch die Kooperationen mit Hochschulen. Haftungsrisiken, die durch Personal verursacht werden könnten, sind versichert. Die Personalrisiken sind insgesamt als gering einzustufen.

IT-Risiken

Risiken im IT-Bereich sind der Verlust geheimer Daten durch Spionage oder Systemausfälle. Die MTU ist aufgrund ihres Geschäfts mit militärischen Kunden im Umgang mit geheimen Daten und deren Sicherung besonders sensibel – sie verfügt über ein weit entwickeltes Daten- und Geheimschutz-System. Auch bei der Einführung neuer IT-Systeme kann es zu Störungen der Arbeitsabläufe kommen. Insbesondere im Zivilen Instandhaltungsgeschäft mit seinen komplexen Arbeitsfolgen stellt die Neueinführung von IT-Systemen eine besondere Herausforderung dar. Die MTU minimiert solche Risiken durch den Einsatz ausgebildeter Experten und eines professionellen Projektmanagements. Die Risiken aus diesem Bereich sind beherrschbar.

Umweltrisiken

Die MTU unterliegt mit ihrer Geschäftstätigkeit zahlreichen Umweltschutzgesetzen und -vorschriften. Insbesondere durch den Einsatz chemischer Stoffe in der Fertigung und Emissionen der Prüfstände kann es bei einer Verschärfung der Umweltauflagen zu zusätzlichen Investitionskosten kommen. Näheres findet sich im Umweltbericht. Für das Betreiben bestimmter Produktionsanlagen wie Prüfständen und galvanischer Anlagen benötigt die MTU spezielle Zulassungen. Auflagen müssen strikt eingehalten werden und die Dokumentation gesichert sein. Ein nach DIN EN ISO 14001 zertifiziertes Umwelt-Management minimiert Risiken in diesem Bereich.

Sonstige Risiken: Rechtliche und steuerrechtliche Risiken

Die EU-Kommission hat im Juni 2007 die beihilferechtliche Genehmigung zur Fortführung der Steuerbegünstigung für besonders energieintensive Unternehmen bis Ende 2009 erteilt. Hierbei geht es um die Begrenzung der Nettobelastung aus der Ökosteuer im Rahmen des sogenannten Spitzenausgleichs. Der Spitzenausgleich kann nach dieser Genehmigung zunächst bis Ende 2012 unter der Voraussetzung fortgeführt werden, dass die deutsche Wirtschaft ihre in der Klimavereinbarung zugesagten Ziele einhält. Falls die Genehmigung über 2009 hinaus nicht erteilt wird, drohen ab diesem Zeitpunkt energiesteuerliche Mehrbelastungen, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der standortgebundenen MTU-Produktion beeinträchtigen könnten. Hieraus resultierende Belastungen schätzt die MTU als moderat ein. Darüber hinaus bestehen keine nennenswerten (steuer-) rechtlichen Risiken, die wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben könnten.

Sonstige Risiken: Organisationsrisiken

Das Unternehmen sieht keine Risiken aus Steuerungs- und Kontrollsystemen sowie Organisations- und Führungsrisiken.

SWOT-Analyse

Die wesentlichen unternehmensspezifischen Stärken und Schwächen sowie die marktspezifischen Chancen und Risiken der MTU stellen sich nach den Kriterien einer SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) zusammengefasst wie folgt dar:




Gesamtaussage zur Risikosituation der MTU

Gegenüber dem 31. Dezember 2007 hat sich keine wesentliche Änderung der Risikolage ergeben. Eine Addition der wichtigsten Einzelrisiken ist nach Konzernmeinung nicht angemessen, da ein paralleles Eintreten hypothetischer Risiken unwahrscheinlich ist. Die schwankende Devisenkursentwicklung und die globale Finanzmarktkrise lassen derzeit keine eindeutige Prognose zur weiteren Entwicklung der Devisenkurse und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu.

Insgesamt sind die Risiken beherrschbar; der Fortbestand des MTU-Konzerns ist aus heutiger Sicht nicht gefährdet. Grundlegende Änderungen der Risikolage erwartet die MTU derzeit nicht. Organisatorisch hat die MTU alle Voraussetzungen geschaffen, um frühzeitig über mögliche Risikosituationen informiert zu sein.