Egon Behle |

im zurückliegenden Geschäftsjahr 2009 haben wir die Tradition der MTU Aero Engines mit der Zukunft verknüpft: Wir haben nicht nur unser 75. Firmenjubiläum gefeiert, sondern auch eine umfassende Gegenwartsbestimmung und Zukunftsausrichtung vorgenommen. Das Ergebnis ist ein neues Leitbild, das wir konzernweit an alle Mitarbeiter kommuniziert haben. Es enthält alle prägenden Elemente der MTU – Geschäftsmodell und Produkte, Kunden und Partner, Werte und Ziele – und soll allen MTU-Beschäftigten als Kompass für ihre tägliche Arbeit dienen. Unser Ziel ist es, alle Kräfte zu bündeln, um unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wir wollen weiterhin einen wesentlichen Beitrag leisten für das, was wir schon immer getan haben: die Zukunft der Luftfahrt gestalten.
Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die MTU eine einzigartige Triebwerksexpertise erworben und eine starke Stellung im globalen Luftfahrtmarkt erarbeitet. Wir zählen zu den treibenden Kräften bei der Entwicklung, Herstellung und Instandhaltung ziviler und militärischer Luftfahrtantriebe und haben uns als hochinnovativer und verlässlicher Partner in der Branche etabliert. Diese führende Rolle wollen wir in den kommenden Jahren ausbauen und durch profitables Wachstum absichern. Wir wollen uns an weiteren, zukunftsträchtigen Triebwerksprogrammen beteiligen beziehungsweise unser bereits bestehendes Engagement vertiefen; auch unsere internationale Präsenz soll ausgebaut werden. Auf diese Weise möchten wir den Unternehmenserfolg nachhaltig sichern und dauerhaft Werte schaffen – für unsere Partner, Kunden und für Sie, unsere Anteilseigner.
Das vergangene Geschäftsjahr hat die MTU vor große Herausforderungen gestellt: Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise entwickelte sich zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit, und dies bekam auch unsere Branche zu spüren: Der internationale Passagierverkehr ging um rund 4 % zurück, der Frachtverkehr verzeichnete ein zweistelliges Minus und das Businessjet-Geschäft brach dramatisch ein. Weitere Belastungen kamen durch den Wiederanstieg des Ölpreises sowie den anhaltend starken Euro hinzu. In diesem schwierigen Umfeld hat sich die MTU gut behauptet: Mit einem Umsatz in Höhe von 2,6 Mrd. € und einem operativen Gewinn von 292 Mio. € konnten wir wieder eine zweistellige Ergebnismarge erzielen. Zwar führte der Marktrückgang zu einem leichten Umsatzminus, dafür fiel der operative Gewinn höher aus als erwartet. Die bereinigte EBIT-Marge lag mit 11,2 % noch über der Prognose, die wir im Oktober auf 11 % angehoben hatten. Von dieser Ertragsstärke partizipieren Sie, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, auch in diesem Jahr: Für die Dividende schlagen wir 0,93 € pro Aktie vor. Damit wollen wir auch in schwierigen Zeiten das hohe Dividendenniveau der beiden Vorjahre halten, als es der Wirtschaft wesentlich besser ging.
Diese Kontinuität verdanken wir der erbrachten Leistung im Rahmen unseres stabilen Geschäftsmodells. Es basiert auf einem breiten und vergleichsweise jungen Produktportfolio. Mit unseren Triebwerken und Antriebskomponenten haben wir die MTU in allen Schub- und Leistungsklassen positioniert. Wir agieren auf verschiedenen Märkten und können einzelne Marktschwankungen dadurch besser ausgleichen. Das vergleichsweise geringe Alter unserer Triebwerke verhindert, dass sie jetzt aus dem Verkehr gezogen und stillgelegt werden. So ist die Parkrate von Flugzeugen mit Triebwerken, die MTU-Komponenten beinhalten, niedriger als der Industriedurchschnitt. 2009 waren unsere wichtigsten Umsatzträger die Triebwerke V2500 der Airbus A320-Familie, das PW2000 der Boeing 757 und der C-17 sowie das CF6-80C, mit dem Großraumflugzeuge wie der A330 oder die Boeing 747 fliegen.
Ein wesentlicher Pfeiler unseres Geschäftsmodells ist unser ziviles Instandhaltungsgeschäft. 2009 ist es uns gelungen, unsere Stellung als weltweite Nummer eins der unabhängigen Anbieter zu stärken und wichtige, längerfristige Abschlüsse zu erzielen. So konnten wir zum Beispiel einen Lizenzvertrag mit General Electric zur Instandhaltung des CF34-Antriebs vorzeitig um zehn Jahre verlängern und im Entwicklungsbereich mit GE einen Rahmenvertrag über die gemeinsame Entwicklung von Reparaturverfahren abschließen. Diese Partnerschaft unterstreicht die weltweite Technologieführerschaft der MTU.
Wir haben nicht nur konsequent in Forschung und Entwicklung investiert, sondern die Aufwendungen auch deutlich aufgestockt: Im Geschäftsjahr 2009 lagen die F&E-Mittel um 27 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Der Ausbau unserer Technologieführerschaft steht auch 2010 ganz oben auf unserer Agenda. Der Fokus liegt auf der Realisierung des Getriebefans PW1000G. Erste Anwendungen sind der Mitsubishi Regional Jet, die Bombardier CSeries und die MS-21 von Irkut. Auf gewohnt hohem Niveau bleiben auch unsere Aktivitäten im Bereich Werkstoffe, Fertigungs- und Reparaturverfahren. Hier arbeiten unsere Ingenieure mit Hochdruck an neuen Verfahren sowie zukunftsträchtigen Programmen; Beispiele sind das GE38 für schwere Transporthubschrauber sowie das GEnx für den Boeing Dreamliner 787 und die Boeing 747-8.
Positives zu berichten gibt es auch von unserem Kostensenkungsprogramm Challenge 2010: Es verläuft planmäßig. In diesem Jahr rechnen wir mit Einsparungen in Höhe von rund 30 Mio. €; ab 2011 sollen es 50 Mio. € jährlich sein. Nur so können wir bei den steigenden Aufwendungen für die neuen Programme unser Ergebnisniveau halten. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Produktkosten sowie auf Einsparungen bei Produktions- und Logistikprozessen. Unsere flexiblen Arbeitszeitmodelle haben uns im vergangenen Jahr vor Kurzarbeit und Arbeitsplatzabbau bewahrt. Sie haben uns die Flexibilität verschafft, kurzfristig auf die teils drastisch veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Darauf wollen wir auch 2010 setzen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden zunächst herausfordernd bleiben. Neben der angespannten Lage vieler Fluggesellschaften werden die volatilen Wechselkursverhältnisse und die Ölpreisentwicklung unser Geschäft weiter belasten. Uns stimmen die langfristigen Aussichten allerdings positiv: Nach Überwindung der aktuellen Turbulenzen wird der globale Luftfahrtmarkt wieder wachsen. Für die kommenden 20 Jahre rechnen Branchenexperten mit Steigerungsraten beim Passagiervolumen von knapp 5 % pro Jahr; in Asien und im Nahen Osten liegen die Prognosen noch höher. Vor diesem Hintergrund baut die MTU systematisch ihre Präsenz in diesen Regionen aus. Wichtige Schritte haben wir im Jahr 2009 unternommen und uns zum Beispiel am saudi-arabischen Instandhaltungsbetrieb MEPC beteiligt und eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Triebwerkshersteller AVIC vereinbart.
Der globale Ausbau ist eine Möglichkeit, die MTU zu stärken und für die kommenden Herausforderungen fit zu machen. Eine weitere sehen wir in der fortlaufenden Verbesserung unserer Kostenstrukturen und Prozessabläufe. Unter anderem mit CIP, dem Continuous Improvement Program, stoßen wir in allen Bereichen Verbesserungsprozesse an, setzen sie konsequent um und verbessern dadurch die Effizienz. Eine wichtige Rolle spielen Optimierungen im Fertigungsverbund. Zwei Meilensteine hierzu haben wir in 2009 realisiert: Wir haben unsere Produktion in den USA verkauft und ein neues Werk in Polen eröffnet. Damit wird sich die Kostenstruktur unserer Fertigung erheblich verbessern.
Alles in allem betrachtet sind wir für die Zukunft gut gerüstet. Mich stimmen unsere globale Präsenz, die Verankerung in den wichtigsten Wachstumsmärkten, unsere technologische Kompetenz und effiziente Organisation optimistisch, dass die MTU gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen wird.
Ein Unternehmen kann immer nur so gut sein wie seine Belegschaft. Die weltweit rund 7.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MTU haben im vergangenen Jahr erneut eindrucksvoll bewiesen, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Mit ihrem Können, ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft machen sie die MTU zu dem, was sie ist – ein global agierendes Hightech-Unternehmen erster Güte. Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich bedanken.
Auch die Treue und das Vertrauen unserer Kunden sind ein wichtiger Zukunftsgarant für uns. Dafür bedanke ich mich ebenfalls.
Dank gebührt natürlich auch ganz besonders Ihnen, den Eigentümern der MTU. Ihr finanzielles Engagement macht den Unternehmenserfolg erst möglich. Dafür, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, ein herzliches Dankeschön auch im Namen des gesamten Unternehmens und des Vorstands. Ihr Vertrauen bleibt für uns Ansporn und Verpflichtung, die Zukunft der Luftfahrt weiter aktiv zu gestalten und den Wert unseres Unternehmens weiterhin nachhaltig zu steigern.


Egon Behle
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