2. Rahmenbedingungen
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Weltwirtschaft ein deutliches Wachstum. Die Volkswirtschaften haben sich von den Folgen der Finanzkrise erholt. Am stärksten wuchs die Wirtschaft im asiatisch-pazifischen Raum. Auch Nordamerika partizipierte vom Aufschwung, während die Erholung in Westeuropa vergleichsweise moderat ausfiel. Von den verbesserten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitierte auch die Luftfahrtindustrie. Die Branche erzielte Wachstumsraten von 8,2% im Passagierverkehr und 20,6% im Frachtverkehr.
2.1. GESAMTWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
Seit Mitte 2009 erholt sich die Weltwirtschaft von den Folgen der Finanzkrise. Die Entwicklung ist im Jahr 2010 regional unterschiedlich verlaufen: Spitzenreiter bei der Wirtschaftsleistung war der asiatisch-pazifische Raum mit einem Wachstum von 6,6%. Nordamerika konnte mit 2,8% Wachstum die Vorjahresverluste weitgehend kompensieren. Die Wirtschaft in Westeuropa wuchs um 2,0%. Die asiatisch-pazifische Region, Nordamerika und Westeuropa sind die Schlüsselmärkte der Luftfahrtindustrie: Sie decken zusammen 70% des Passagierverkehrs und 90% des Frachtverkehrs ab und stellen 90% der weltweiten Flugzeugflotte.
Der Euro/US-Dollar Wechselkurs ist für die MTU als exportorientiertes Unternehmen der Luftfahrtbranche von großer Bedeutung. Die Euro/US-Dollar Wechselkurse waren in 2010, wie bereits in den früheren Jahren, von einer hohen Volatilität gekennzeichnet. Der Höchstkurs des US-Dollar je Euro von 1,4563 wurde am 13. Januar 2010, der Tiefstkurs mit 1,1942 am 18. Juni 2010 beobachtet. Der Durchschnittskurs 1. Januar bis 31. Dezember 2010 lag mit 1,3260 US-Dollar je Euro unter dem Vergleichswert des Vorjahres von 1,3946 US-Dollar je Euro. Zu den Auswirkungen der geänderten Wechselkursparitäten wird auf Abschnitt 3. (Finanzwirtschaftliche Situation) verwiesen.
Der mittlere Ölpreis lag 2010 bei 79 US-$ pro Fass und damit um rund 30% über dem Mittelwert von 2009 (62 US-$ pro Fass). Da Kerosin für Fluggesellschaften der größte Kostenfaktor ist, werden alte, ineffiziente Flugzeugtypen weiter geparkt oder ausgemustert; dieser Trend belebt die Produktion neuer Modelle und verstärkt die Bedeutung von Entwicklungsprogrammen für innovative Flugzeuge mit verbrauchsarmen Triebwerken, wie z.B. Bombardier CSeries, Boeing 787 und Airbus A320neo.
2.2. BRANCHENWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LUFTFAHRTINDUSTRIE
Das Wachstum des Luftverkehrs wird vom Bruttoinlandsprodukt beeinflusst. Die Erholung der Weltwirtschaft spiegelt sich in der Erholung des internationalen Passagier- und Frachtverkehrs wider: Mit einem Wachstum von 8,2% im Passagierverkehr und 20,6% bei der Fracht liegen die absoluten Verkehrszahlen bereits über dem Niveau vor der Krise.
Die Kenngröße der angebotenen Sitz- und Frachtkilometer, die den Triebwerksersatzteil- und Instandsetzungsmarkt bestimmen, ist 2010 ebenfalls gestiegen: Sie lag bei 4,4% im Passagierbereich und 8,9% bei der Fracht, die Verluste 2009 von 3,0% bzw. 8,4% kompensierend.
Die Fluggesellschaften haben ihre Kapazitäten vorsichtig erhöht und erfolgreich Auslastungsmanagement betrieben. Die Zahl der geparkten Flugzeuge hat sich nur moderat verringert – von rund 2.260 Maschinen im Dezember 2009 auf rund 2.170 im Dezember 2010. Das Kapazitätsmanagement der Airlines steigerte die Auslastungsquote bzw. den Sitzladefaktor von ca. 76% auf rund 78%. Auch die Ticketpreise haben sich 2010 gut erholt und damit die Profitabilität der Fluggesellschaften maßgeblich verbessert. Laut IATA erzielte die Branche Mehreinnahmen von rund 17% und erwirtschaftete 2010 Umsätze in Höhe von 565 Mrd. US-$ (2009: 482 Mrd. US-$). Die Gewinne für 2010 werden auf 15 Mrd. US-$ geschätzt und sind damit auf Rekordniveau.
Seit Sommer 2010 ziehen auch die Flugzeugbestellungen wieder an: Wurden 2009 rund 600 Flugzeuge (inkl. 50 CSeries) bestellt, stieg der Bestelleingang 2010 auf 1.400 (inkl. 135 CSeries, MS-21 und C919; Quelle: Ascend Online). Der Auftragsbestand für Standard- und Großraumflugzeuge wuchs damit 2010 um weitere rund 4% von 6.910 auf 7.180 Flugzeuge. Darin berücksichtigt sind die Passagiermaschinen von Airbus und Boeing sowie die neuen Reihen CSeries, MS-21 und C919.
Die Flugzeugauslieferungen von Airbus und Boeing blieben in 2010 mit 972 zivilen Flugzeugen (2009: 978 Maschinen) auf hohem Niveau.
Im Gegensatz zum Verkehrsflugzeugmarkt wurde auf dem Markt für Geschäftsreiseflugzeuge kein Aufschwung verzeichnet: In den ersten drei Quartalen 2010 sanken die Auslieferungen von Business Jets um ca. 20% von 615 auf 490 Maschinen (Quelle: GAMA).
2.3. GESAMTAUSSAGE ZU DEN RAHMENBEDINGUNGEN
Die Weltwirtschaft hat sich im zweiten Jahr nach der Finanzkrise erholt. Die asiatischen Schwellenländer, insbesondere China, waren Treiber dieser Entwicklung. Auch Nordamerika und Lateinamerika profitierten vom Aufschwung; in Europa ist die Erholung bisher noch moderat.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich im Wachstum des Passagierverkehrs wider, der gegenüber 2009 um 8,2% zulegte. Das absolute Verkehrsaufkommen erreichte damit einen Rekordwert.
Mit einem Rekordgewinn von geschätzten 15 Mrd. US-$ erwirtschafteten die Fluggesellschaften etwa sechsmal so viel, wie die IATA Mitte des Jahres geschätzt hatte.
Airbus und Boeing haben mit 972 ausgelieferten Maschinen in etwa das hohe Vorjahresniveau gehalten. Angesichts eines Auftragsbestands von 7.180 Festbestellungen für Standard- und Großraumflugzeuge ist der Ausblick für zukünftige Umsätze vielversprechend.




