MTU
Geschäftsbericht 2010 » Anspruch verbindet

5. Prognosebericht

Trotz eines im Jahresdurchschnitt möglicherweise schwächeren US-Dollarkurses rechnet die MTU für 2011 mit einem steigenden Umsatz im Vergleich zu 2010. Beim operativen Gewinn erwartet das Unternehmen ein Ergebnis (EBIT bereinigt) auf dem Niveau des Vorjahres. Das Unternehmen dürfte im laufenden Geschäftsjahr und darüber hinaus vom Wachstum des weltweiten Luftverkehrs profitieren.

5.1. GESAMTWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG

Das Wachstum der Weltwirtschaft hält an: Laut The Economist Intelligence Unit (EIU) soll die Weltwirtschaft im Jahr 2011 um 3,0% wachsen. Für 2012 sagt die EIU ebenfalls 3,0% voraus. Der IWF ist leicht optimistischer: Es wird mit einer Wachstumsrate von 3,5% bzw. 3,6% in den Jahren 2011 bzw. 2012 gerechnet.


Der asiatisch-pazifische Raum wird mit Wachstumsraten von über 4% in den nächsten zwei Jahren weiter die Vorreiterrolle übernehmen. Ähnlich soll die Entwicklung in Lateinamerika und im Mittleren Osten sein. Für Nordamerika und Europa wird 2011 ein unterdurchschnittliches Wachstum prognostiziert (2,6% bzw. 1,6%), das sich mittelfristig in diesen Regionen fortsetzen dürfte. Die Prognosen lassen erwarten, dass sich der Schwerpunkt der Weltwirtschaftskraft von den entwickelten Regionen in Richtung der stärksten Schwellenländer, insbesondere in Asien, verschiebt.

 

5.2. BRANCHENWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LUFTFAHRTINDUSTRIE

Die IATA hat im Dezember 2010 und Airline Monitor im Juli 2010 eine Prognose für den Passagierverkehr 2011 abgegeben. Beide liegen bei +5,2%. Der Frachtverkehr soll laut IATA im Jahr 2011 um 5,5% wachsen. Damit pendeln sich die Wachstumsraten auf einem normalen Langfristniveau ein. Auch im Luftverkehr wird der asiatisch-pazifische Raum Vorreiter sein. Der nordamerikanische Kontinent wird sich ebenfalls gut erholen und Wachstum generieren. Die europäischen Luftfahrtgesellschaften werdenschwächer wachsen, da auch die Wirtschaftserholung in Europa langsamer eingeschätzt wird.

Airline Monitor sagt für 2011 eine Ausweitung der Luftfahrtkapazität um 5,2% voraus. Das Verkehrsaufkommen soll sich analog entwickeln. Davon dürfte auch die Triebwerksinstandsetzung (Ersatzteile und Überholung) profitieren.

Die IATA erwartet für 2011 als Folge des ansteigenden Verkehrsvolumens ein um 5,9% höheres Einkommensniveau der Fluggesellschaften als 2008. Der Gewinn wird mit 9,1 Mrd. US-$ prognostiziert. Das dürfte sich weiterhin positiv auf die Neubestellungen von Flugzeugen auswirken. Das Vertrauen in das Luftverkehrswachstum sowie das Angebot neuer effizienter Flugzeuge wird das Bestellungsverhalten maßgeblich beschleunigen.

Der Auftragsbestand von Airbus und Boeing umfasst mit 7.180 Standard- und Großraumflugzeugen bei aktuellen Produktionsraten einen Produktionszeitraum von sechs bis sieben Jahren. Die Hälfte der Bestellungen stammt von Fluggesellschaften aus dem asiatisch-pazifischen Raum und dem Mittleren Osten. Bis 2012 wollen die beiden Hersteller ihre Produktion je um 25% erhöhen – sowohl bei Standardrumpfflugzeugen (A320- und 737-Reihen) als auch bei Großraumflugzeugen der Reihen Boeing 777 und 787 sowie A380.


Die Aktivitäten der Geschäftsreiseflugzeuge erholen sich seit dem dramatischen Abschwung im März 2009 langsam, aber kontinuierlich: Im Jahr 2010 legte das Segment gegenüber 2009 um 10 bis 15% zu. Die Zahl der zum Verkauf angebotenen gebrauchten Flugzeuge sank auf ca. 15%, nicht signifikant unter dem Vorjahresniveau von 17%. Für 2011 wird kein deutlicher Anstieg der Lieferzahlen erwartet; die Überkapazitäten müssen noch abgebaut werden. Ein Aufschwung wird erst 2012 eintreten.

 

5.3. CHANCEN DER MTU

CHANCEN AUS DER ENTWICKLUNG DER RAHMENBEDINGUNGEN
Die konsequente Fortsetzung der zukunftsorientierten Investitionen in Grundlagenforschung und innovative Triebwerkstechnologien zur Reduktion von Kraftstoffverbrauch, Emissionen, Lärm und Kosten stärkt die Innovations- und Technologieführerschaft der MTU. Daraus ergeben sich für die MTU Chancen, ihre Position im Rahmen der Risk- and Revenue-Sharing-Partnerschaften weiter auszubauen und sich an neuen lukrativen Triebwerksprogrammen zu beteiligen. Auch der MRO-Bereich dürfte von der ansteigenden Nachfrage sowie dem Zugang zu neuen Triebwerksprogrammen profitieren.

Beim militärischen Kunden hat sich das Unternehmen als kompetenter Partner mit umfassendem System Know-how für Produktentwicklung, -herstellung und -instandhaltung etabliert, so dass sich Chancen für Neu- und Weiterentwicklungen von Triebwerken bieten.

LEISTUNGSWIRTSCHAFTLICHE CHANCEN
Eine Verbesserung der Euro-US-Dollar-Wechselkursparität würde die Ertragssituation der MTU leicht verbessern. Eine Stabilisierung oder gar ein Rückgang der Energiekosten sowie günstige Rohstoffpreise hätten positive Auswirkungen auf die Kostenstruktur und damit auf den weiteren Geschäftserfolg der MTU.

SONSTIGE CHANCEN
Sonstige Chancen ergeben sich aus der im Risikobericht im Abschnitt 6.4. dargestellten SWOT-Analyse. Zu den Maßnahmen, wie die Chancen künftig genutzt und die Risiken entsprechend vermieden werden können, wird auf den Risikobericht unter Abschnitt 6. verwiesen.

 

5.4. KÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER MTU

Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf dem Kenntnisstand des Jahresanfangs 2011 und weisen aufgrund der Vielzahl von neuen Programmen eine hohe Unsicherheit aus.

KÜNFTIG UNVERÄNDERTE STEUERUNGSZAHLEN
Die MTU steuert den Konzern auch künftig nach den Leistungsindikatoren „bereinigtes EBIT“ und „Free Cashflow“.

GEPLANTE ÄNDERUNGEN IN DER GESCHÄFTSPOLITIK
Das Unternehmen beabsichtigt in den kommenden Jahren keine grundlegende Änderung der Unternehmensstrategie.

NEUE PRODUKTE UND DIENSTLEISTUNGEN
Bereits im Geschäftsjahr 2008 ist die MTU in neue Triebwerksprogramme eingestiegen, die in den nächsten Jahrzehnten einen maßgeblichen Anteil am Umsatz haben werden. Das Unternehmen schätzt das Marktvolumen dieser Programme über deren gesamte Laufzeit auf insgesamt rund 30 Mrd. €.

In den folgenden Geschäftsjahren gilt es, die Entwicklung des Getriebefans für neue Triebwerksprogramme voran zu treiben und die Serienfertigung des Turbinenzwischengehäuses für das GEnx-Triebwerk zu etablieren.


AUSBLICK 2011

ZIELGRÖSSEN
Für das Geschäftsjahr 2011 prognostiziert die MTU die folgenden Zielgrößen:

Das Unternehmen rechnet für 2011 trotz eines im Jahresdurchschnitt möglicherweise schwächeren US-Dollarkurses mit einem im Vergleich zu 2010 um 7 bis 8% steigenden Umsatz. Die Risk- and Revenue-Sharing-Vereinbarungen mit führenden Triebwerksherstellern sowie die nationale Präsenz der MTU führen regional zu einer unveränderten Umsatzverteilung. Über 80% des Gesamtumsatzes plant die MTU wie bisher in Nordamerika und Europa zu erzielen. Daher erwartet die MTU in den folgenden Geschäftsjahren keine wesentliche Veränderung an künftigen Absatzmärkten.

UMSATZ NACH GESCHÄFTSSEGMENTEN
Die Umsatzerwartungen im Zivilen und Militärischen Triebwerksgeschäft und in der Zivilen Instand-haltung gehen für das Geschäftsjahr 2011 von folgenden Annahmen aus:

  • Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2010 erwartet die MTU einen deutlichen Umsatzanstieg um 15 bis 20% in der zivilen Serienfertigung und einen Anstieg um 5 bis10% bei den Ersatzteilen. Diese Annahme beruht auf dem Auslieferungshochlauf des Triebwerks GEnx für die Boeing-Typen 787 sowie 747-8, ansteigenden Umsätzen mit dem GP7000-Programm für den Airbus A380, steigenden Auslieferungen der V2500 für die A320-Familie und bei den Geschäftsreiseflugzeugen auf leicht rückläufigen Umsätzen in den Altprogrammen. Risiken liegen insbesondere in einer weiteren Verzögerung der Flugzeugprogramme Boeing 787 und 747-8 bzw. einer Streckung der Auslieferung des Airbus A380.
  • Im militärischen Geschäft erwartet die MTU 2011 eine Umsatzreduktion von etwa 10%. Diese ist im Wesentlichen auf die Strukturreform der Bundeswehr sowie auf die Verschiebung bei der Auslieferung der Tranche 3A des EJ200 zurückzuführen.
  • In der Zivilen Triebwerksinstandhaltung wird für 2011 mit einem Anstieg um 5 bis10% gerechnet. Die Nachfrage nach Instandhaltungsdienstleistungen dürfte in Folge der wirtschaftlichen Erholung im Jahresvergleich wieder anziehen.

OPERATIVES ERGEBNIS
Die MTU erwartet für 2011 ein operatives Ergebnis (EBIT bereinigt) auf dem Niveau des Vorjahres. Im Vergleich zu 2010 werden voraussichtlich weitere Entwicklungsaufwendungen, insbesondere für die Getriebefanprogramme, sowie das rückläufige Militärgeschäft das Ergebnis 2011 belasten. Zum Ausgleich tragen ergebnisverbessernde Maßnahmen aus Challenge 2010 bei.

BEREINIGTES ERGEBNIS NACH ERTRAGSSTEUERN (EAT BEREINIGT)
Auch das bereinigte Ergebnis nach Ertragsteuern (EAT bereinigt) wird sich etwa auf dem Niveau von 2010 bewegen. Neben dem erwarteten operativen Ergebnis gehen die unsicheren Schätzungen der stichtagsbezogenen US-Dollar- und Nickelkurse und Sicherungen im Finanzergebnis ein.

FREE CASHFLOW
Für 2011 rechnet das Unternehmen mit einem Free Cashflow in der Größenordnung von 2010.

DIVIDENDENAUSSCHÜTTUNG
Nach einer über drei Geschäftsjahre stabilen Dividende von 0,93 € je Aktie schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2010 eine Dividende von 1,10 € je Aktie vor. Die MTU-Aktie soll auch 2011 sowie in Zukunft eine renditestarke Anlage bleiben.

INVESTITIONEN UND FINANZIERUNGSMAßNAHMEN
Schwerpunkte der Investitionstätigkeit im Geschäftsjahr 2011 werden der Aufbau von Fertigungskapazitäten für das Programm GEnx sowie Sonderbetriebsmittel für die Entwicklung der Getriebefanprogramme sein. Die aktivierten Entwicklungsaufwendungen für die Triebwerksprogramme GEnx, GE38 und A320neo werden 2011 voraussichtlich 30 bis 40 Mio. € betragen.

Die Finanzierungsstruktur wird 2011 voraussichtlich unverändert bleiben. Sämtliche vorgesehenen Vorhaben können aus dem Free Cashflow finanziert werden. Darüber hinaus besteht ein weiterer noch nicht ausgeschöpfter Finanzierungsspielraum durch genehmigte Kapitalmaßnahmen.

MITARBEITER
Die Personalkapazität der MTU soll im Geschäftsjahr 2011 im Vergleich zu 2010 um ca. 2% leicht steigen.


AUSBLICK 2012

UMSATZ
Für das Geschäftsjahr 2012 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Wachstum der Weltwirtschaft und der Luftfahrtindustrie. Abgeleitet aus den mittelfristigen Prognosen der IATA und den Produktionsstückzahlen der Flugzeughersteller ergäbe sich für die MTU damit ein Umsatzwachstum zwischen 5% und 10% auf der Basis von 2011.

OPERATIVES ERGEBNIS
Für das operative Ergebnis (EBIT bereinigt) erwartet die MTU unverändert hohe Entwicklungsaufwendungen sowie ein wachsendes Seriengeschäft bei den Triebwerks-Programmen GEnx, GP7000 und V2500. Der Konzern rechnet daher für das Geschäftsjahr 2012 mit einer weiterhin stabilen Geschäftsentwicklung und damit auch mit einer bereinigten EBIT-Marge von größer 10%. Zusätzliche Programmbeteiligungen können diesen Wert beeinflussen.

 

5.5. GESAMTAUSSAGE ZUR KÜNFTIGEN GESCHÄFTSENTWICKLUNG 2011 UND 2012

Der Vorstand der MTU geht weiter von einer positiven Geschäftsentwicklung aus. Neben den bestehenden Programmen werden dazu die neu abgeschlossenen Programmbeteiligungen maßgeblich beitragen. Die nachhaltige Markterholung dürfte zu einer zunehmenden Dynamik im Ersatzteil- und Servicegeschäft führen. Daher erwartet die MTU ein entsprechend dem Geschäftsjahr 2010 unverändertes Niveau des Free Cashflow und des operativen Ergebnisses (EBIT bereinigt) sowie ein attraktives Dividendenpotenzial für die Aktionäre.