MTU

5. Prognosebericht

Bei einem leicht steigenden Wachstum der Weltwirtschaft rechnet die MTU für 2013 mit einem Umsatzanstieg um 10 bis 12 % im Vergleich zu 2012. Beim operativen Gewinn (EBIT bereinigt) erwartet das Unternehmen für 2013 eine Steigerung zwischen 10 und 12 %. Das Unternehmen sollte im laufenden Geschäftsjahr und darüber hinaus vom Wachstum der Luftfahrtindustrie profitieren.

5.1. GESAMTWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG

The Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet, dass das Wachstum der Weltwirtschaft 2013 wieder steigt – von 2,1 % im Jahr 2012 auf 2,3 % im Jahr 2013 (EIU, Februar 2013). Der International Monetary Fund ist etwas optimistischer. Er prognostiziert für 2013 ein Plus von 2,9 % (IMF World Economic Outlook, September 2012).

Die größten Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft bleiben die Staatsschuldenkrise der Euro-Zone und die Steuerklippe in den USA, eine Kombination aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, die im Februar 2013 noch nicht gelöst sind.

Für Europa wird 2013 ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,2 % und für Nordamerika von 2,1 % erwartet. Der asiatisch-pazifische Raum wird auch 2013 den größten Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum leisten (EIU, Februar 2013).

5.2. BRANCHENWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LUFTFAHRTINDUSTRIE

Die IATA veröffentlichte im September 2012 eine Prognose für den Passagier- und den Frachtverkehr: Der Passagierverkehr soll 2013 um 4,5 %, das Frachtaufkommen um 1,4 % wachsen. Damit dürfte sich die Wachstumsrate des Passagiertransports auf ein normales Langfristniveau einpendeln.

Der Luftverkehr wird sich regional sehr unterschiedlich entwickeln. Das Verkehrswachstum in Europa wird von den schwachen Wirtschaftsprognosen gebremst. Nordamerika ist ein gesättigter Markt mit geringem Wachstum. Für den asiatisch-pazifischen Raum, den Mittleren Osten und Lateinamerika erwartet die IATA ein überdurchschnittliches Wachstum.

Die IATA prognostiziert den Fluggesellschaften einen Gewinn von 8,4 Mrd. US-$, dank eines steigenden Verkehrsvolumens und höherer Ticketpreise. Der anhaltend hohe Treibstoffpreis dürfte sich weiter positiv auf die Bestellungen neuer, effizienter Flugzeuge auswirken.

In den Orderbüchern der Hersteller befinden sich 9.600 Bestellungen von Standard- und Großraumflugzeugen. Die robuste Auftragslage sorgt im gesamtwirtschaftlichen Umfeld für Stabilität und Planungssicherheit.

Die gute Auftragslage für die A320- und 737NG-Familien sowie für Großraumjets der Typen A330, A380, 767 und 777 hält an. Die neuen kraftstoffsparenden Modelle gewinnen Markanteile. Im Kurz- und Mittelstreckenbereich sind das die A320neo, 737MAX, CSeries, MS-21 und C919, bei den Großraumjets die A350, 787 und 747-8.

Die Europäische Union sieht bis auf Weiteres davon ab, Emissionsabgaben auf Flüge von und nach Europa zu erheben. Die EU-Partner reagierten damit auf die Kritik von China, Russland und den Vereinigten Staaten. Die Europäer begründen ihr Einlenken mit dem Beschluss der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO), sich bis Herbst 2013 auf ein globales Regelwerk zu verständigen.

Im Segment der Geschäftsreiseflugzeuge werden 2013 mehrere neue Flugzeugprogramme zur Auslieferung kommen. Experten erwarten dadurch einen Anstieg des Umsatzvolumens (Quellen: NBAA 2012; JetNet iQ Survey und Honeywell „Global Business Aviation Forecast“).

5.3. CHANCEN DER MTU

CHANCEN AUS DER ENTWICKLUNG DER RAHMENBEDINGUNGEN
Die konsequente Fortsetzung der zukunftsorientierten Investitionen in Grundlagenforschung und innovative Triebwerkstechnologien zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch, Emissionen, Lärm und Kosten stärkt die Innovations- und Technologieführerschaft der MTU. Daraus ergeben sich für die MTU Chancen, ihre Position im Rahmen der Risk- and Revenue-Sharing-Partnerschaften weiter auszubauen und sich an neuen lukrativen Triebwerksprogrammen zu beteiligen. Vor diesem Hintergrund hat die MTU im Rahmen einer Zusatzvereinbarung mit Pratt & Whitney zum 29. Juni 2012 ihren Gesamtanteil am IAE-V2500-Programm um fast die Hälfte auf 16 % erhöht. Diese Erhöhung sichert der MTU zusätzliche Marktchancen, denn das V2500 wird in den nächsten Jahrzehnten weiterhin eine tragende Rolle im globalen Triebwerksmarkt spielen. Im nächsten Schritt planen die IAE-Partner Pratt & Whitney, Japanese Aero Engine Corporation und MTU, zusammen mit Rolls-Royce ein Joint Venture für Antriebe zukünftiger Flugzeuggenerationen im Kurz- und Mittelstreckenbereich zu gründen. Dies ist ein weiterer Schritt der MTU zur langfristigen Sicherung des Technologievorsprungs und der Wettbewerbsfähigkeit.

Auch der MRO-Bereich dürfte von der steigenden Nachfrage und dem Zugang zu neuen Triebwerksprogrammen profitieren. Um dem wachsenden Bedarf des Weltmarktes gerecht zu werden, hat die MTU Maintenance Zhuhai – ein Joint Venture mit China Southern Air Holding Company – ihre Kapazitäten 2012 um 50 % von derzeit 200 auf 300 Shop Visits im Jahr erweitert.

Bei militärischen Kunden hat sich die MTU als kompetenter Partner mit umfassendem System- Know-how für Produktentwicklung, -herstellung und -instandhaltung etabliert. Die MTU nutzt kontinuierlich Chancen für Neu- und Weiterentwicklungen von Triebwerken.

Der brasilianische Flugzeughersteller Embraer plant eine modernisierte Auflage seiner erfolgreichen E-Jet-Familie. Bei dieser sogenannten zweiten Generation werden Triebwerke der Pratt & Whitney PW1000G-Serie eingesetzt: Zwei Ableitungen der bestehenden Geared Turbofan-Technologie mit den Bezeichnungen PW1700G und PW1900G werden die Flugzeuge E-175 und E-190 antreiben. Es werden vertragliche Vereinbarungen zwischen P&W und der MTU angestrebt, die zum Ziel haben, eine Programmbeteiligung der MTU im Rahmen der bisherigen Umfänge beim Geared Turbofan zu erreichen.

LEISTUNGSWIRTSCHAFTLICHE CHANCEN
Eine Stärkung des US-Dollar gegenüber dem Euro würde die Ertragssituation der MTU leicht verbessern. Eine Stabilisierung oder gar ein Rückgang der Energiekosten sowie günstige Rohstoffpreise hätten positive Auswirkungen auf die Kostenstruktur und damit auf den Geschäftserfolg der MTU.

SONSTIGE CHANCEN
Sonstige Chancen ergeben sich aus der im Risikobericht im Abschnitt 6.4. dargestellten SWOTAnalyse. Zu den Maßnahmen, wie die Chancen genutzt und die Risiken vermieden werden können, wird auf den Risikobericht unter Abschnitt 6. verwiesen.

5.4. KÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER MTU

Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf dem Kenntnisstand am Jahresanfang 2013. Aufgrund der Vielzahl neuer Programme kann es aufgrund von Verzögerungen in der Entwicklung bzw. beim Serienanlauf zu Verschiebungen kommen, die sich auf die Kennzahlen auswirken.

NEUE PRODUKTE UND DIENSTLEISTUNGEN
In den vergangenen Jahren hat sich die MTU an neuen Triebwerksprogrammen beteiligt, unter anderem für den Airbus A380 (GP7000), die Boeing 787/747-8 (GEnx), die Bombardier CSeries (PW1524G), den Mitsubishi Regional Jet (PW1217G) und zuletzt für den Airbus A320neo (PW1133GJM), die in den nächsten Jahrzehnten einen maßgeblichen Anteil am Umsatz haben werden.

In den nächsten Geschäftsjahren gilt es, die Entwicklung des Getriebefans für neue Triebwerksprogramme weiter voranzutreiben und die Serienfertigung des Turbinenzwischengehäuses für das GEnx-Triebwerk zu etablieren.

AUSBLICK 2013

ZIELGRÖSSEN
Für das Geschäftsjahr 2013 prognostiziert die MTU die folgenden Zielgrößen:

Das Unternehmen rechnet für 2013 mit einem Umsatzanstieg zwischen 10 % und 12 % im Vergleich zu 2012. Die regionale Verteilung des Umsatzes bleibt aufgrund der Risk- and Revenue-Sharing- Vereinbarungen mit führenden Triebwerksherstellern und der nationalen Präsenz der MTU unverändert. Die MTU plant, wie bisher über 80 % des Umsatzes in Nordamerika und Europa zu erzielen.

UMSATZ NACH GESCHÄFTSSEGMENTEN
Der Umsatz der zivilen Serienfertigung soll auf US-Dollar-Basis im Vergleich zu 2012 um 20 - 25 % steigen, der Ersatzteil-Umsatz um etwa 15 %. Grundlagen dieser Annahmen sind der Auslieferungshochlauf des Triebwerks GEnx für die Boeing-Typen 787 sowie 747-8, steigende Umsätze mit dem Programm GP7000 für den Airbus A380 sowie steigende Auslieferungen des V2500 für die A320-Familie und die Auswirkungen der Erhöhung des V2500-Programmanteils um fünf Prozent. Risiken liegen insbesondere in einem verzögerten Hochlauf der Flugzeugprogramme Boeing 787 und 747-8, der Streckung der Auslieferung des Airbus A380 sowie der Verzögerung der Umsatzsteigerung im Ersatzteilgeschäft.

Im Militärischen Geschäft erwartet die MTU einen in etwa gleichbleibenden Umsatz.

In der Zivilen Triebwerksinstandhaltung wird 2013 auf US-Dollar-Basis mit einem Umsatzplus im oberen einstelligen Prozentbereich gerechnet. Bei den Programmen GE90, V2500 und CF34 erwartet die MTU eine steigende Nachfrage.

OPERATIVES ERGEBNIS
Die MTU rechnet damit, das EBIT bereinigt 2013 im Vergleich zu 2012 um 10 bis 12 % steigern zu können, und erwartet damit eine bereinigte EBIT-Marge von etwa 11 %.

BEREINIGTES ERGEBNIS NACH ERTRAGSTEUERN (EAT BEREINIGT)
Das bereinigte Ergebnis nach Ertragsteuern soll 2013 um 10 bis 12 % steigen.

KÜNFTIGE DIVIDENDE
Die Dividendenpolitik der MTU sieht grundsätzlich die Ausschüttung einer attraktiven Dividende vor. Voraussetzung sind eine angemessene wirtschaftliche Situation und die Zustimmung der beschließenden Gremien.

MITARBEITER
Die MTU wird im Geschäftsjahr 2013 etwa genauso viele Mitarbeiter beschäftigen wie 2012.

AUSBLICK 2014

UMSATZ
Für das Geschäftsjahr 2014 rechnet die MTU mit einem anhaltenden Wachstum von Weltwirtschaft und Luftfahrtindustrie. Abgeleitet aus den mittelfristigen Prognosen der IATA und den Produktionsstückzahlen der Flugzeughersteller ergäbe sich bei einem gleichbleibenden US-Dollar-Wechselkurs für die MTU 2014 ein Umsatzwachstum um rund fünf Prozent auf der Basis von 2013.

OPERATIVES ERGEBNIS
2014 erwartet die MTU einen leichten Rückgang der Entwicklungsaufwendungen gegenüber 2013 und einen anhaltenden Anstieg der Serienproduktion der Programme GEnx und GP7000. Hinzu kommen erste Auslieferungen von PW1524G-Triebwerken für die Bombardier CSeries. Der Konzern rechnet trotz dieser Belastungen auch für das Geschäftsjahr 2014 mit einer positiven Ergebnisentwicklung bei einer stabilen Marge des bereinigten EBIT. Zusätzliche Programmbeteiligungen können diesen Wert beeinflussen.

5.5. GESAMTAUSSAGE ZUR KÜNFTIGEN GESCHÄFTSENTWICKLUNG 2013 UND 2014

Der Vorstand der MTU geht weiter von einer positiven Geschäftsentwicklung aus. In den nächsten Jahren wird die MTU von einem starken Wachstum des Programms V2500, der Widebody-Programme GEnx und GP7000 sowie von dem MRO-Geschäft, das stärker wächst als der Markt, profitieren. Die MTU erwartet in den Folgejahren einen weiteren Anstieg des EBIT bereinigt bei einer Marge von 11–12 % sowie ein attraktives Dividendenpotenzial für die Aktionäre.

Der Passagierverkehr wächst 2013 weltweit voraussichtlich um 4,5 %
Das V2500-Triebwerk wird in den nächsten Jahrzehnten eine tragende Rolle spielen.
Die MTU Maintenance Zhuhai erhöhte ihre Kapazitäten 2012 um 50 %
Die MTU rechnet für 2013 mit einer Steigerung des bereinigten EBIT um 10-12 %
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