Nahaufnahme aus Berlin (I)

Zukunftsthemen und Siegerflieger

Am Mittwochmorgen geht dann alles ganz schnell. So, als wäre alles ein ganz normales Boarding. Barcode über den Scanner, ein kurzer Piepser, weitergehen. Der Nächste, bitte. Wie im Flugzeug ist es dennoch nicht. Dafür sind es zu viele kurze Schlangen nebeneinander. Und abfliegen will hier außerdem auch niemand. Es geht ums Ankommen, und zwar auf der ILA 2016.

Seit dem Morgen sind die Tore geöffnet. „Die ILA ist Synonym für Innovation, und sie greift weitere Zukunftsthemen unserer Branche wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Industrie 4.0 und 3D-Druck gezielt auf, die wesentlich für den auch künftigen Erfolg unserer Industrie im globalen Wettbewerb sind“, kommentierte Volker Thum, Hauptgeschäftsführers des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. e. V. (BDLI), die Eröffnung.

Eine regelrechte Messestadt haben die Organisatoren in den vergangenen Wochen hier aus dem Boden gestampft. Mehr als 1.200 Aussteller aus fast 40 Ländern zeigen den 120.000 erwarteten Fachbesuchern vier Tage lang Produkte, Systeme und Verfahren aus allen Bereichen der Luft- und Raumfahrtindustrie. Es gibt Einblicke ins „Innenleben“ verschiedener Fluggerätetypen, Begegnungen mit Astronauten und Piloten aus verschiedenen Ländern und sogar die Möglichkeit, selbst einmal das Steuer in einem Flugsimulator zu übernehmen.

100.000 Quadratmeter Freigeländefläche

Hinzu kommen reichlich Konferenzen – und natürlich die Flugshow. Etwa 200 Flugzeuge, Hubschrauber und unbemannte Flugsysteme werden vom 1. bis 4. Juni am Boden und in der Luft zu sehen sein. Welchen Stellenwert Flugshow und Static Display auf dem Berlin ExpoCenter Airport in Schönefeld haben, zeigt ein Zahlenvergleich: Von dem 250.000 Quadratmeter großen Messegelände sind allein 100.000 Quadratmeter Freigeländefläche als Ausstellungsbereich für die Fluggeräte reserviert: Für ein Exemplar des Airbus A320neo der Lufthansa mit PW1100G-JM-Antrieben etwa, dem jüngsten und leisesten Mitglied der Lufthansa-Flotte. Für das vierstrahlige Großraumflugzeug Airbus A380 von Emirates sowie eine Boeing 747-8 der Lufthansa. Bei der handelt es sich nicht um irgendein Exemplar, sondern den „Siegerflieger“, der die deutsche Fußball-Nationalelf nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft von Brasilien zurück nach Deutschland flog.

Aus dem militärischen Bereich ist zum Beispiel der Airbus A400M angekündigt, der Eurofighter sowie der Boeing B-52-Überflug der achtstrahligen Langstreckenbomber der amerikanischen Luftwaffe. Die Wissenschaft wird unter anderem von einem Airbus A310 Zero G repräsentiert, dem europaweit einzigen Flugzeug für Parabelflüge. Mit der Patrouille Suisse ist ein namhafter Vertreter aus dem Bereich Kunstflug am Start.

Expertenstab übernimmt Koordination

Damit alles reibungslos läuft, arbeiten im Tagesdurchschnitt 5.000 Beschäftigte wie Standpersonal, Service-Mitarbeiter von Reinigungs-, Bewachungs- und Gastronomie-Unternehmen sowie Medienvertreter aus aller Welt auf dem ILA-Gelände. Zu den Veranstaltungsfachleuten zählen neben Verkehrslogistikern vor allem auch ein umfangreicher Stab von Experten.

In deren Mitte sitzt ILA-Flight Director Wolfram Cornelius. Der war mehr als 20 Jahre für die Marine geflogen und hat eine Menge Zeit am Steuer des Starfighters und des Tornados verbracht. Dann flog er Passagiermaschinen in Sachsen und Thüringen und wurde schließlich Testpilot bei Dornier. Sein Stab trägt in den nächsten vier Tagen für das gesamte ILA-Flugprogramm die Verantwortung und koordiniert mit den Fachleuten der ZEKO (Zentrale Koordinierungsstelle) auch den ILA-Flugverkehr.

Für Fachbesucher ist die ILA am Mittwoch und Donnerstag, 1. und 2. Juni, jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für Fach- und Privatbesucher gleichermaßen ist die Messe am Freitag, 3. Juni, von 10 bis 20 Uhr (der neue „Long Friday“) offen sowie am Samstag, 4. Juni, zwischen 10 und 18 Uhr.