Nahaufnahme aus Paris (1)

Eine Messe, vier Geschichten – jeden Tag die interessantesten Ereignisse und Hintergründe rund um die Paris Air Show. Die Veranstaltung auf dem Flughafen von Le Bourget ist die größte und wichtigste Luftfahrtmesse in Europa und alle zwei Jahre ein absoluter Pflichttermin für die gesamte Branche. Die MTU ist mit einem 300-Quadratmeter großen Stand, einem Chalet für Gäste und zahlreichen Exponaten vertreten.

Übergangszeit bei den Narrowbodys

„Wir erwarten keine großen Aufträge, die auf der Paris Air Show 2015 verkündet werden, doch es passiert einiges im Markt“, sagt Theodor Pregler, Leiter zivile Programme bei der MTU Aero Engines. Im Unterschied zu früheren Luftfahrtmessen, bei denen sich vor allem Boeing und Airbus, die beiden großen Hersteller von Passagierjets, Kopf-an-Kopf-Rennen um die höchsten Auftragszahlen lieferten, hat die Branche 2015 keine Sensationen angekündigt. Dennoch ist viel in Bewegung auf dem Markt für zivile Flugzeuge, deren aufregendstes Segment derzeit die Narrowbodys sind.

Eine ganze Reihe neuer Kurz- und Mittelstreckenjets kommen in den nächsten Jahren auf den Markt und haben die Auftragsbücher ihrer Hersteller schon gut gefüllt: 3.890 Festbestellungen und Optionen liegen für die Boeing 737MAX vor, 5.280 für die Airbus A320neo, so die Fachzeitschrift Aviation Week. Die beiden bisherigen Duopolisten sind nicht mehr die einzigen Anbieter: Die Regionaljet-Hersteller Bombardier und Embraer erweitern ihr Angebot um neue Narrowbodys mit bis zu 150 Sitzen. Embraer konnte beispielsweise am ersten Messetag 50 Festbestellungen und Optionen für seine neue E-Jet E-2-Familie mit PW1000G-Antrieb von der Leasinggesellschaft Aircastle verbuchen. Und mit Sukhoi, Irkut und Comac drängen neue Anbieter in das Segment.

Bewegung gibt es auch bei den Regionaljets für bis zu 100 Passagiere. Hier machten bislang Bombardier und Embraer das Geschäft weitgehend unter sich aus und sehen sich nun im Wettbewerb mit Mitsubishi. Der traditionsreiche Technologiekonzern entwickelt das erste japanische Zivilflugzeug seit 60 Jahren. Der Erstflug ist für Herbst 2015 angekündigt.

Doch der Boom der neuen Narrwobodys wird 2015 nicht sichtbar in Le Bourget. Als einziges Neumodell ist Bombardiers CSeries zu sehen, dafür gleich in beiden Größenklassen. „Wir bestätigen dem Markt, dass wir das liefern werden, was wir auf dem Papier entworfen haben“, zitierte der Branchendienst Flightglobal Bombardiers neuen Zivilflugzeugchef Fred Cromer im Vorfeld der Messe. Die Airlines scheinen sich noch zurückzuhalten mit Neubestellungen, weshalb sich die Hersteller bei ihrer Vorberichterstattung auch eher auf Themen aus der Produktion konzentrierten. „Die große Herausforderung für uns alle wird der reibungslose Übergang von den Flugzeugen und Triebwerken, die bereits in Produktion sind, zu den neuen Modellen sein, so dass wir das, was wir schon in den Auftragsbüchern haben, auch wie vereinbart liefern können“, sagt Pregler.

Bei der MTU betrifft das vor allem die Transition vom Erfolgstriebwerk V2500 für die „klassische“ A320-Familie zum Getriebefan-Modell PW1100G-JM für die A320neo. Als „Entwicklungsort für Technologiewechsel in der Luft- und Raumfahrt“ bezeichnete Aviation Week die Paris Air Show – im Jahr 1983, kurz bevor die A320 zuletzt den Narrowbody-Markt aufmischte.

  • Auch Vertreter aus dem Bundesverteidigungsministerium sind nach Paris gekommen, um sich über die MTU zu informieren, zum Beispiel Dr. Katrin Suder, Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium, hier mit MTU-CEO Reiner Winkler und Programmvorstand Michael Schreyögg, oder...

  • ... Generalleutnant Erhard Bühler, Leiter der Abteilung Planung im Bundesverteidigungsministerium.

  • Seit 2012 ist I.E. Dr. Susanne Wasum-Rainer deutsche Botschafterin in Frankreich. Auch sie stattete der MTU in Le Bourget einen Besuch ab. Hier steht sie gemeinsam mit Technikvorstand Dr. Rainer Martens vor einem Testmodul der schnelllaufenden Niederdruckturbine.

  • Martens sprach mit der Botschafterin unter anderem über die Entwicklung des Flugverkehrs in den kommenden Jahren und die Position der MTU in der Luftfahrtbranche.

  • Später hatte Martens den verteidigungspolitischen Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Henning Otte, zu Gast.

  • MTU-Mitarbeiter Bernhard Köppel führte eine Gruppe von luftfahrtbegeisterten Studenten über den MTU-Stand. Sie kamen von Euroavia, einer in Stuttgart ansässigen Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Austausch zwischen Studenten und der Industrie zu fördern.

Triebwerke für Jahrzehnte