Nahaufnahme aus Paris (2)

Eine Messe, vier Geschichten – jeden Tag die interessantesten Ereignisse und Hintergründe rund um die Paris Air Show. Die Veranstaltung auf dem Flughafen von Le Bourget ist die größte und wichtigste Luftfahrtmesse in Europa und alle zwei Jahre ein absoluter Pflichttermin für die gesamte Branche. Die MTU ist mit einem 300-Quadratmeter großen Stand, einem Chalet für Gäste und zahlreichen Exponaten vertreten.

Stabilisierung bei den großen Businessjets

Bis 2019 werden 18 neue Businessjet-Modelle auf den Markt kommen, rechnet der US-amerikanische Luftfahrtmarktanalyst Brian Foley. „Neue Produkte dienen als Verkaufskatalysatoren, sie kurbeln den Markt an, indem sie den Kunden einen Grund zum kaufen geben“, sagt er.  Ein Motor für die Erholung im Businessjet-Markt, der nach der Finanzkrise 2008 eingebrochen war, ist das Wiedererstarken der Wirtschaft in Nordamerika, dem weiterhin größten Markt für die kleinen Jets. Gefragt sind vor allem große Geschäftsreiseflugzeuge mit hoher Reichweite. Bombardier, mit 34 Prozent Weltmarktanteil einer der größten Anbieter, verzeichnete 2014 ein Wachstum von 13 Prozent gegenüber 2013. Theodor Pregler, Leiter zivile Triebwerke bei der MTU, hält die Entwicklung dennoch „eher für eine Stabilisierung als für eine Erholung“.

MTU-Messestand: Virtueller Rundgang

PW300, PW500 und PW800 sind die Triebwerksfamilien von MTU-Partner Pratt & Whitney Canada, die viele der älteren und vor allem neuen großen Businessjets antreiben. Ein Heimspiel ist die Paris Air Show für Dassault. Das französische Traditionsunternehmen ist mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent Marktführer bei gehobenen Geschäftsreiseflugzeugen, vor allem mit seiner Falcon-Familie. Das Erfolgsmodell Falcon 7X, seit zehn Jahren auf dem Markt, fliegt für die russische Regierung, für den Volkswagen-Konzern wie für das saudische Königshaus. Im März hatte die gestreckte Version des Dreistrahlers, die Falcon 8X, ihren Erstflug. Antrieb für beide ist das PW307 mit 15 Prozent MTU-Anteil.

Dritter im Bund der führenden Businessjet-Hersteller ist Gulfstream, der auf der Messe seine Modelle G650 und G450 zeigt, nicht jedoch die neue G500. Die absolvierte am 20. Mai ihren Erstflug mit PW814-Triebwerken aus der PurePower-Familie, zu der auch die erfolgreichen Getriebefans gehören. Das Flugzeug wurde bis zu seinem Roll-out Ende letzten Jahres unter strenger Geheimhaltung entwickelt, „um die bestehende Produktpalette in einem bis dahin schwierigen Marktumfeld nicht zu gefährden“, so Pregler. Anders als bei großen Passagierjets werden bei den kleinen, meist privat genutzten Flugzeugen selten Verkäufe bekannt gegeben. „Aber ich denke, dass Gulfstream einige Bestellungen für die G500 einsammelt, da sie schon 2016 zugelassen werden soll und damit mit kurzer Lieferfrist zu haben ist.“