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14. März 2010
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Eurofighter

"Eurofighter - Zukunftssystem der Luftwaffe"

Autor:
Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz

Der Eurofighter geht in die nächste Phase seiner Beschaffung – die Tranche 2. In der Luftwaffe sammeln bereits zwei Geschwader Einsatzerfahrung: Wie zuverlässig ist er? Wo liegen seine Stärken und Herausforderungen? Welche Bedeutung hat er für die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe? Wir fragten Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz. Der Inspekteur der Luftwaffe ist selbst Pilot und fliegt regelmäßig Europas modernsten und leistungsstärksten Fighter.

Lieutenant General Stiegler

Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz

lupe

Herr General, nachdem der Eurofighter jetzt bereits seit einiger Zeit bei der Luftwaffe im Einsatz steht; wie sind die Erfahrungen der Truppe mit dem Flugzeug?

Der Eurofighter fliegt nun schon seit fast vier Jahren in der Luftwaffe. Die Luftwaffe erfährt mit dem Eurofighter einen deutlichen Fähigkeitszuwachs. Die entscheidenden Fortschritte dieses Flugzeugs liegen im außergewöhnlich hohen Schub-Gewichtsverhältnis, in der unerreichten Manövrierfähigkeit sowie in der Waffenreichweite und -präzision, um nur einige zu nennen.

Wir haben allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass das Bedienen der zahlreichen Computer – vor allem während des Fluges – eine weitere Steigerung gegenüber dem Waffensystem Tornado erfahren hat. Dies ist eine große Herausforderung. Die jungen Offiziere, die dieses Kampfflugzeug führen, müssen nicht nur gut fliegen können, sondern auch viel vom Management komplexer Systeme verstehen.

Wie macht sich das Triebwerk EJ200 im Einsatz?

Das von Ihren Mitarbeitern konstruierte und gebaute Triebwerk ist eine der herausragenden Komponenten des Eurofighters. Bedingt durch die Einsatzcharakteristiken, wie beispielsweise Agilität und Steigleistung, um in allen Lagen überlebens- und durchsetzungsfähig zu sein, ist dieses Triebwerk gewissermaßen das Herzstück dieses Kampfflugzeugs.

Sehen Sie im Einsatz des Eurofighters künftig andere oder zusätzliche Aufgaben?

Für die Luftwaffe ist der Eurofighter zukünftig nicht mehr nur Jagdflugzeug im klassischen Sinne, sondern auch der Träger des Luftangriffs, wie wir es nennen. Das heißt, der Eurofighter wird zukünftig in der Lage sein, im Einsatzfall nicht nur eine günstige Luftlage zu garantieren oder zu erringen, sondern auch gegnerische Angriffe auf dem Boden abzuwehren und alle Ziele bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter und auf jede Distanz zielgenau zu bekämpfen und dabei Kollateralschäden zu vermeiden.

Sehen Sie den Eurofighter für künftige Aufgaben ausreichend gerüstet oder zeichnet sich an der einen oder anderen Stelle der Bedarf für ein Update ab?

Mit dem Eurofighter erhält die Luftwaffe ein Kampfflugzeug der vierten Generation, das hinsichtlich seiner operationellen Vielseitigkeit, seiner Leistungsfähigkeit und seines technologischen Aufwuchspotenzials zumindest in Europa derzeit ohne Konkurrenz ist.

Andererseits muss jede Art von Militärtechnologie stetig weiterentwickelt und ständig verbessert werden. Insbesondere der Eurofighter ist genau dafür ausgelegt, da die Phasen der Entwicklung, der Produktion und der Nutzung überlappen. So können aus der Nutzung gewonnene Erkenntnisse direkt in die Weiterentwicklung des Flugzeugs zurückfließen.

Welche Bedeutung hat für die Luftwaffe die Beschaffung der Tranche 3 des Eurofighters?

Der Eurofighter ist das Zukunftssystem der Luftwaffe. Erst mit der 3. Tranche wird die Erneuerung der fliegenden Waffensysteme der Luftwaffe abgeschlossen. Parallel zur Einführung dieses Kampfflugzeuges wird der Bestand an älteren und im Unterhalt ungleich teureren Kampfflugzeugen erheblich reduziert. Ab ca. 2017 stehen der Luftwaffe insgesamt 180 Eurofighter und 85 Tornado zur Durchführung ihres Auftrages zur Verfügung.

Nur wenn wir den Eurofighter im geplanten Umfang einführen, können wir den Bestand an älteren Kampfflugzeugen in der Luftwaffe absenken und dabei gleichzeitig unsere Fähigkeiten weiter verbessern. Die Beschaffung der 3. Tranche Eurofighter ist für die Luftwaffe zwingend erforderlich.

Wie sehen Sie generell die Rolle des bemannten Kampfflugzeugs in den nächsten Jahrzehnten in Abgrenzung zur unbemannten Kampfdrohne?

Unbemannte Luftfahrzeuge – die Luftwaffe spricht von unbemannten Luftfahrzeugen, nicht von Drohnen – werden bemannte Luftfahrzeuge nicht vollständig ersetzen können, sondern diese bis zu einem gewissen Grad im Waffensystemverbund des Luftkrieges sinnvoll ergänzen. Bemannte Luftfahrzeuge werden in Zukunft nur noch in geringer Stückzahl zur Verfügung stehen und dabei immer mehr potenzielle Einsatzoptionen im Sinne einer Mehrrollenfähigkeit gleichzeitig abdecken müssen. Hier wirken unbemannte Systeme entlastend und erschließen überdies eine neue Qualität der Fähigkeitsausprägung. Entsprechend eingesetzte UAV werden bei der Projektion von Luftmacht zu einem unverzichtbaren Instrument.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich als Flugzeugführer mit dem Eurofighter?

Ein Kampfflugzeug, das rundherum begeistert – und ich beneide die jungen Flugzeugführer und Flugzeugführerinnen, die ihre Karriere in der Luftwaffe auf diesem Luftfahrzeug beginnen.


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