Die 50er- und 60er-Jahre

1954 – Ein neuer Anfang

Mit den sich andeutenden politischen Veränderungen (Lufthoheit/Wiederbewaffnung) gelangte auch die Frage einer eigenen deutschen Flugzeug- und Flugmotorenproduktion zurück auf die Tagesordnung. Die Gründung der BMW-Studiengesellschaft stellt in diesem Zusammenhang einen bedeutenden Neuanfang dar, markiert sie doch einen – wenn auch bescheidenen – Wiederbeginn der Produktentwicklung für Flugzeugantriebe im Norden Münchens. Und damit eine weitere Etappe auf dem Weg zur heutigen MTU.

Bis 1955 – Reparaturwerk für Heeresfahrzeuge und Geschütze

Nach der Besetzung durch die Amerikaner wurde aus dem ehemaligen BMW-Flugmotorenwerk ein Reparaturwerk für Heeresfahrzeuge und Geschütze aller Art. Fahrzeuge aus ganz Europa wurden hier „am Fließband“ repariert.

1957 – Gründung der BMW Triebwerkbau GmbH

1957 gründete BMW die BMW Triebwerkbau GmbH und stieg als Lizenznehmer wieder in die Triebwerksproduktion ein. Anfangs wurden hauptsächlich Überholungsarbeiten an amerikanischen Triebwerken vorgenommen, später montierte man in Allach schwerpunktmäßig aus Amerika gelieferte Teile.

1959 – Lizenzbau des Triebwerks J79 für den Starfighter

In der zweiten Beschaffungsphase der Bundeswehr begann ab 1959 in München-Allach der Lizenzbau des Triebwerks J79-11A von GE – der Antrieb für die Lockheed F-104, den „Starfighter“.

1960 – 50-prozentige Beteiligung der MAN an der BMW Triebwerksbau GmbH

1960 kam es zu einer 50-prozentigen Beteiligung der M.A.N. an der BMW Triebwerkbau GmbH.

1965 – Fusion zur M.A.N. Turbo GmbH

Nachdem M.A.N. sich schon ab 1960 mit 50% an der BMW-Triebwerkbau GmbH beteiligt hatte, wurde 1965 das Unternehmen mit der M.A.N. Turbomotoren GmbH zusammengelegt und in M.A.N. Turbo GmbH umbenannt. BMW gab damit seine Luftfahrtaktivitäten auf. Die neue Gesellschaft erhielt zusätzliche Aufträge zur Lizenzfertigung der Triebwerke für das Seeaufklärungs- und U-Boot-Bekämpfungsflugzeug Breguet Atlantic und das Transportflugzeug C-160 Transall.

1969 – Ein neues Kapitel: die Gründung der MTU

Das Jahr 1969 markiert in mehrfacher Hinsicht einen Einschnitt. Zum einen erfüllte sich ein lang gehegter Menschheitstraum: Erstmals betraten Menschen den Mond und kehrten sicher zur Erde zurück. In München kam es im gleichen Jahr zur Zusammenlegung der Triebwerksaktivitäten von Daimler-Benz und M.A.N. Am 11. Juli 1969 wurde die MTU Motoren- und Turbinen-Union München GmbH M.A.N. Maybach Mercedes-Benz gegründet. Es handelte sich mehr um einen Zusammenschluss der Produktbereiche Hochleistungs-Dieselmotoren von Daimler-Benz und des Geschäftszweigs Turboflugtriebwerke der MAN, als um eine völlige Neugründung. Zur neuen MTU-Gruppe gehörten die beiden MTU-Gesellschaften MTU München (Flugmotoren) und MTU Friedrichshafen (Dieselantriebe). Die Gruppe hatte fast 11.000 Beschäftigte.

1969 – Eine Erfolgsgeschichte der 1970er-Jahre: Der Tornado

Ebenfalls 1969 warf die Entwicklung eines Triebwerks seine Schatten voraus, das sich zum bis heute erfolgreichsten militärischen Triebwerksprogramm der MTU entwickeln sollte: das Triebwerk RB199-34R, der Antrieb für das Mehrzweck-Kampflugzeug Tornado. Zur Entwicklung des Triebwerks war von der MTU, Rolls-Royce und Fiat-Avio die gemeinsame Tochtergesellschaft „Turbo-Union Ltd.“ gegründet worden, die im Oktober 1969 den Zuschlag für den Bau des Triebwerks RB 199 erhielt.